HJ-Newsletters

Augsburg, Januar 2009

Inhaltsverzeichnis:

 

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» China «

Yuan als internationale Währung
Die chinesische Regierung beschloss ein Pilotprojekt, das ausgewählten chinesischen Wirtschaftszonen künftig erlaubt, Geschäfte mit den Ländern der Südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN sowie Hongkong und Macao in der Währung Yuan abzuwickeln. Damit soll im Zeichen der Wirtschaftskrise die Exportwirtschaft gestützt und Währungsschwankungen abgefedert werden.
Chinesische Exporte werden derzeit meist noch in Dollar und Euro abgerechnet. Das Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr mit rund 400 Milliarden Dollar ein Fünftel des Gesamtvolumens. Zunehmende Akzeptanz in Asien soll den Yuan auf lange Sicht zu einer internationalen Währung machen.
 
Quelle: Die Welt, 25.12.08

 

China plant größtes Solarkraftwerk der Welt
Die beiden Firmen China Technology Development Group (CTDG) und Qinghai New Energy Group planen das weltweit größte Solarkraftwerk. Das Photovoltaik(PV)-Kraftwerk soll in einem noch nicht genannten Zeitrahmen nach endgültigem Ausbau einen Gigawatt Strom produzieren. Als Standort der neuen Einnahmequelle ist die Qaidam Wüste im Westen Chinas vorgesehen, wo die Sonneneinstrahlung extrem hoch ist. Nach Fertigstellung wäre die Leistung damit doppelt so groß wie die der angekündigten 500-Megawatt Anlage der Firmen Optisolar und der PG&E in Kalifornien.
Die von der Wirtschaftskrise betroffene Solar-Branche in den USA erfuhr mit der Ankündigung des Projekts einen sofortigen Aufschwung - Aktien von Solar-Unternehmen legten deutlich zu.
 
Quelle: Süddeutsche, 05.01.09

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Kritische Berichte und Pornographie unerwünscht
Die chinesischen Behörden haben in der vergangenen Woche insgesamt 91 Webseiten zwangsweise geschlossen, um gegen Pornographie im Internet vorzugehen. Allerdings ist darunter auch die Blog-Plattform von Luo Yonghao www.bullog.cn - die laut Pekinger Amt für Telekommunikation - schädliche Kritik über aktuelle Ereignisse und Politk verbreite.
Auch "Dicker Luo" genannt, war dessen Webseite die einzige Plattform im chinesischen Internet mit eindeutig liberaler Ausrichtung, auf der vor allem progressive Journalisten, Künstler, Autoren und Studenten kritische Beiträge veröffentlichten. Der ehemalige Englischlehrer lud die kritischsten und klügsten Köpfe Chinas ein, und damit alleine wurde man bereits berühmt.
Die Folge der Schließung hat einen beispiellosen Aufschrei der Empörung im chinesischen Internet ausgelöst.
 
Quelle: Süddeutsche, 16.01.09

 

Neue Fälle von Vogelgrippe in China
Ein 16-jähriger Schüler aus Huaihua, der Kontakt mit Geflügel hatte, wurde letzten Dienstag das jüngste Opfer des H5N1-Virus - der Vogelgrippe, deren Sterberate bei Infektion um 60% liegt. Zuvor erlagen zwei Frauen in Peking und Jinan dem Virus.
Der Zustand eines 2-jährigen Mädchens im Krankenhaus von Taiyuan in Nordchina ist weiterhin ernst, die Mutter starb vor kurzer Zeit angeblich an Lungenentzündung, deren Symptome der Vogelgrippe ähneln. Trotz vorherigem Kontakt zu Geflügel wurde die Frau nicht auf Vogelgrippe untersucht.
 
Quelle: Süddeutsche, 20.01.09

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Intellektuelle rufen zu Fernseh-Boykott auf
22 Anwälte, Journalisten und freie Autoren werfen dem chinesischen Staatsfernsehen und zugleich Monopolsender CCTV in einem Schreiben Propaganda, Gehirnwäsche und Volksverdummung vor und rufen zum Zuschauerboykott auf. Als ein Beispiel für einseitige und restriktive Berichterstattung und -auswahl des Senders, der täglich 1,2 Milliarden Menschen erreicht werfen sie CCTV vor, lange Zeit den hauptschuldigen Konzern Sanlu bei der Milch-Melanin-Verseuchung geschont zu haben. CCTV reagierte gelassen und wies die Vorwürfe zurück.
Die chinesische Internetpolizei versuchte den Abruf des Briefes auf über 100 Portalen zu blockieren, obwohl der Verfasser, Autor Ling Cangzhou, sagt das Schreiben sei ein Aufruf zur Debatte von Rede-Meinungs- und Pressefreiheit und verletze weder Verfassung noch Gesetze.
Bei einem Gespräch mit der Polizei wurde er allerdings nur zu seiner Beziehung mit dem inhaftierten Intellektuellen Liu Xiaobo befragt, dem angeblichen Hauptverfasser der "Charta 08". Sie war der erste, offene, kritische Brief unterschrieben von 301 Intellektuellen mit dem Aufruf zu radikaler Demokratisierung.
Ein Sieg von Chinas Bevölkerung gegen den Staat wurde schon erreicht. Nach massiven Bürgerprotesten verlegte man den Bau einer Chemieanlage zur Herstellung von Paraxylol von der Millionenstadt Xiamen in eine ländlichere Gegend. Paraxylol kann bei längerem Kontakt das Nerven-system schädigen und zum Tod führen.
 
Quelle: Die Welt, 15.01.009

 

» Taiwan «

Insel der Erfinder
Taiwan, die abtrünnige chinesische Provinz, ist eine unscheinbare kleine Insel, die leicht übersehen wird. Genauso wie die Tatsache, dass sie weltweit den 2. Platz belegt, was Patente pro Einwohner betrifft. Der Taiwanese Teng Hung-chi ist einer der Bekanntesten.
Vor fast 30 Jahren revolutionierte er mit der Erfindung des Bewegungssensors für Klospülungen die Sanitärtechnologie. Der unscheinbare, bescheidene Mitvierziger, der mittlerweile in Taichung eine kleine eigene Firma betreibt, hat seitdem über 200 Patente angemeldet. Der Bewegungssensor war bisher sein einziger Welterfolg. Zwei Geschäftsleute boten ihm damals umgerechnet etwa 32.500 Euro für seine Idee. Davon kaufte sich Teng eine Wohnung, den Rest trug er auf die Bank. Nur 4 Jahre später gehörten Toiletten mit Bewegungssensor bereits zum Standard aller gehobenen Hotels.
Teng hat seitdem weltweit Orden und Auszeichnungen gewonnen, er ist ohne Doktortitel Professor von 5 Universitäten und hält Vorträge. Er will die Jugend für Forschung und Technik begeistern und Taiwan den ersten Rang bei Erfindungen verschaffen. Sein Terminplan ist so voll, dass eigene Erfindungen fast zu kurz kommen. Zur Zeit arbeiten Teng und seine Mitarbeiter unter anderem an Platinen für neue DVD Player.
Vor einigen Jahren gewann er den 1. Platz in einem deutschen Erfinderwettbewerb. Deutschland gefiel Teng. "Es ist so still", meint Teng. Und Stille ist wichtig für wahre Erfinder.
 
Quelle: Süddeutsche, 03.01.2009

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» Japan «

Gemeinschaftlicher Kapitalismus
Japanischer Kapitalismus unterscheidet sich deutlich von dem des Westens. Japaner werden oft direkt von der Schule oder Universität von Firmen angestellt, die auch alleine entscheiden, welchen Arbeitsbereich sie den Neulingen zuweisen. Dafür bedeutet dies meist eine Anstellung auf Lebenszeit, die Firma wird zur Familie. Sogar Spitzenkräfte begnügen sich mit für westliche Verhältnisse lächerlich geringen Gehältern. Sie versuchen auch nicht, sich betont über ihre Mitarbeiter zu stellen.
Durch die Aussicht auf lebenslängliche Anstellung ist praktisch kein Arbeitsmarkt für Führungskräfte vorhanden, Streiks sind selten, eine gütliche Einigung wird grundsätzlich bevorzugt. Gerichtsurteile bei Schadenersatzforderungen zugunsten einzelner Arbeitnehmer sind moderat, keinesfalls dürfen dadurch Arbeitsplätze gefährdet werden. Betriebe stellen Kontinuität vor Innovation, Stabilität ist wichtiger als Rekordprofite, Planungen werden längerfristig angelegt.
Von kurzfristiger Profitmaximierung, die in westlichen Firmen zu innerbetrieblichen Querelen unter den Mitarbeitern führt und als Prozess der Optimie-rung gilt, hält man in Japan wenig.
Die Scheu der Unternehmen vor Risiko lässt sie allerdings manchmal Entscheidungen verschlafen, wie z.B. die Firma Toyota, die zwar die beginnende Energiekrise erkannte, aber weiterhin monströse Geländewagen produzierte, die jetzt in den USA auf Halde stehen. Banken hingegen, denen komplexe Anleihen meist zu riskant erscheinen sind dafür wenig von der Suprime-Krise betroffen.
Die Immobilienkrise von 1990 zwang vor allem grosse Firmen, die ungeschriebene Tradition lebenslänglicher Anstellung zu modifizieren. Die Lösung waren Teilzeitkräfte, mittlerweile ein Drittel aller Arbeitnehmer, die Vollzeit und Überstunden arbeiten, aber weder Prämien noch gesicherte Arbeitsplätze erhalten; sie gehören nicht "zur Familie". Arbeitskämpfe, die im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts an der Tagesordnung waren sind wieder denkbar.
Das damalige Ministerium für Industrie und Handel (MITI), einer sozialistischen Planungszentrale nicht unähnlich, entwickelte Japan mit Unterstützung der Regierung aus der Textil-Produktion zum High-Tech Standort. Dabei halfen Fünfjahrespläne mit der Förderung bestimmter Branchen und Appelle an den Patriotismus. Was der Macht nutzt, soll sich für Konzerne lohnen und das bedeutet Wirtschaftswachstum. Diese durchgängige Tendenz zum Konsens ist bis heute ein Bestandteil der japanischen Wirtschaft.
 
Quelle: Süddeutsche, 29.12.2008

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» Singapur «

Menschenrechte
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft Singapur vor, das Recht auf freie Meinungsäußerung durch Verleumdungsklagen und masslose Schadenersatzforderungen systematisch zu untergraben. Der jüngste Anlass war die Verurteilung des Vorsitzenden der Oppositionspartei Chee Soon Juan, dessen Schwester und der gesamten Partei wegen Verleumdung des Ministerpräsidenten Lee Hsien Loong und dessen Vater. Die Schadenersatzforderung beträgt 306.000 Euro. Diese Summe könnte die Oppositionspartei zur Schließung zwingen.
Die Opposition hatte in ihrem Nachrichtenblatt einen Zusammenhang zwischen dem Korruptionsskandal einer Wohltätigkeitsorganisation und der Regierungsführung angedeutet.
Das Urteil gegen die Chees ist nicht das erste dieser Art, deren Finanzen sind allerdings erschöpft. Sie können nicht mehr für politische Ämter kandidieren, Reisen müssen behördlich genehmigt werden. Ein Antrag von Chees Schwester zur Teilnahme an einem Demokratieseminar an der Standford Universität in den USA wurde abgelehnt.
Auch kritische ausländische Medien werden nicht verschont. Die Zeitschrift “Far Eastern Economic Review” unterstellte Singapur Vetternwirtschaft, die Lees gewannen die Klage. Das “Asia Wall Street Journal” und die Nachrichtenagentur Bloomberg wurden verklagt, mit letzterer einigte man sich 2002 aussergerichtlich. Der Ministerpräsident nebst Frau wurden zu Vorsitzenden einer staatlichen Investmentfirma ernannt. Die Financial Times äusserte Verdacht auf Vetternwirtschaft - eine öffentliche Entschuldigung der Times folgte.
 
Quelle: Süddeutsche, 17.10.08

 

» Indonesia «

Bikinis und Penisrohre - Neues Gesetz gegen Pornographie
Mit 17.000 Inseln, 230 Millionen Einwohnern und zahlreichen Kulturen, Sprachen und Gebräuchen ist Indonesien eine sekulare Republik. Tolerante und moderate Islamisten bilden die große Mehrheit, dennoch hat eine Minderheit von Hardlinern das Parlament davon überzeugt, ein Gesetz zu verabschieden, das bei Verbreitung von Pornographie Haftstrafen bis zu 10 Jahren vorsieht. Dazu zählt jegliches Material, auch Kartoons, Sketche und Poesie, mit Andeutungen von Nacktheit oder sexuellen Inhalts.
Das mehrheitlich hinduistische Bali hat dafür gekämpft, dass sich jetzt zumindest auf einigen umzäunten Stränden nichtislamische Frauen im Bikini zeigen dürfen. Sogar die Hardliner, für die auch Modeschauen, Schönheitswettbewerbe oder laszive Tänze und Sängerinnen als pornographisch gelten, sahen zähneknirschend ein, dass die Abschreckung westlicher Touristen durch rigorose Bekleidungsregeln ungeheuer schädlich für die Wirtschaft wäre.
Liberale Indonesier befürchten dennoch, dass das Gesetz Meinungs- und Gestaltungsfreiheit erheblich einschränken wird, da die Bevölkerung selbst das Recht hat, auch ohne polizeiliche Genehmigung angebliche Pornographie zu verhindern. Schlägertrupps der Islamic Defenders Front stürmten prompt die Redaktion des Playboy - eine Reaktion auf eine züchtige Ausgabe ohne jegliche Nacktbilder.
Die Zukunft Indonesiens antiker erotischer Skulpturen ist genauso ungewiss wie die des Koteka der Männer West-Papuas, ein 30-40cm langes Penis-rohr aus getrocknetem Kürbis, das keinerlei erotische Bedeutung hat.
Der demokratische Präsident Yudhoyono, der das Gesetz hätte verwerfen können, hat mit Blick auf die bevorstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zugestimmt in der Hoffnung auf Wiederwahl. Er wäre damit der erste wiedergewählte Präsident seit 1998 und hofft auf die Stimmen der islamischen Mehrheit. Die große Zahl tolerant gesinnter Indonesier könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen.
 
Quelle: Süddeutsche, 25.12.2008

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