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HJ-Newsletters
Augsburg, Februar 2009
Inhaltsverzeichnis:
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» China «
Unruhen durch Massenentlassungen
China beschäftigte vor der Wirtschaftskrise rund 130 Millionen Wanderarbeiter hauptsächlich aus ehemals
ländlichen Gebieten und meist in arbeitsintensiven Industriezweigen. Mit der Finanzkrise und dem Einbruch der
Exportwirtschaft haben seitdem rund 20 Millionen den Arbeitsplatz verloren - bis Ende des Jahres werden es wahrscheinlich
25 Millionen sein, mehr als die Bevölkerung Australiens. Pessimistische Analytiker prophezeien sogar bis zu 40 Millionen
Arbeitslose. Die Regierung befürchtet seit den Unruhen entlassener Fabrikarbeiter in Südchina weitere soziale Konflikte,
will aber bei weiteren Demonstrationen gelassener als bisher vorgehen. Zugleich wurde ein Milliardenpaket zur Ankurbelung
der Wirtschaft angekündigt, gleichzeitig mit dem Versprechen weiterer konjunkturfördernder Maßnahmen.
Quelle: Süddeutsche, 02.02.09
Keynesianische Expansion für China
China befindet sich heute in derselben Lage wie die USA während der letzten Großen Depression. Dem rasant
gewachsenen Großlieferanten und Nettoexporteur brechen durch die weltweite Finanzkrise die Absatzmärkte weg.
Das daraus resultierende Problem ist sowohl ökonomisch als auch existenziell politisch. Millionen von Arbeitskräften,
die aus abgelegenen ländlichen Regionen eingestellt wurden, verlieren ihre Jobs und da keine verlässliche soziale
Absicherung besteht, sind Unruhen absehbar. Die Antwort darauf kann keinesfalls maoistische Repression durch Polizei
und Militär sein, sondern vielmehr die richtige Wirtschaftspolitik. Nur die Inlandsnachfrage für Konsumgüter
anzukurbeln kann die Fabriken aber nicht genügend auslasten. Die Führung in Peking hat das Problem erkannt und ein
massives Konjunkturprogramm erstellt, das nach dem Vorbild keynesianischer Expansion noch erweitert werden soll.
Quelle: FTD, 03.02.08
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China steht vor unternehmerischem Generationswechsel
Die bisherigen Unternehmensgründer Chinas wuchsen noch in der Staatswirtschaft auf und starteten ihre Karriere
in staatlichen Unternehmen. Seit Ende 1978, als der Reformer Deng Xiaoping mit der vorsichtigen Öffnungspolitik
der chinesischen Wirtschaft begann, ist die Anzahl privater Unternehmen so schnell gewachsen, dass sie bereits 2005
für drei Viertel der Arbeitsplätze und der Warenproduktion verantwortlich waren. Genaue Daten zu diesem
wichtigsten Motor des Aufschwungs gibt es noch kaum, aber die meisten damaligen Gründer bauten ihre Familienbetriebe
mit Unternehmungsgeist, Eigeninitiative und ohne akademische Ausbildung auf. Sie verließen sich auf ihren Instinkt
und vertrauten auf autoritäre Betriebsführung. Einige von ihnen, angeregt durch Auslandsbesuche realisierten
innovative Ideen und neue Standards, wie zum Beispiel im Gastronomiebereich.
Ein Fall dafür ist die Gastronomiegruppe South Beauty mit 50 Restaurants, deren Inhaberin vor 9 Jahren das erste
innovative Restaurant eröffnete und jetzt zu den reichsten Unternehmerinnen Chinas gehört.
Dennoch wird die anstehende Übergabe an die nächste Generation eine radikale Änderung einleiten, da viele
der Kinder im Ausland studiert und professionelle Qualifikationen von Management und der moderner Betriebsführung
erworben haben. Das Konzept der Familiennachfolge, im Ausland eher als ein Rezept für den Untergang von Unternehmen angesehen,
wird unter anderem durch die chinesische Ein-Kind-Politik verständlich. Damit kommen die Betriebe nicht wie im
Westen in die Hand von großen Familienclans. Es gibt zudem noch sehr wenig hochqualifizierte Führungskräfte
auf dem chinesischen Arbeitsmarkt, daher werden sich die jetzigen Betriebsinhaber bei der Nachfolge lieber für die
eigenen Söhne entscheiden. Den Töchtern traut man noch nicht viel zu. Ob dies so bleibt und wie erfolgreich
die zweite Generation sein wird, werden die kommenden Jahre zeigen.
Quelle: Süddeutsche, 21.01.09
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Umstrukturierung bei PC-Hersteller Lenovo
Der weltweit viertgrößte chinesische PC-Hersteller Lenovo, der 2005 von IBM übernommen wurde,
hat nach einem Nettoverlust von 97 Millionen Dollar beim letzten Quartalsabschluss 2008 den Konzernchef gewechselt.
Bisheriger Chairman Yang Yuanqin, der bereits von 2001 bis 2005 das Unternehmen führte und es zum Global Player
formte, will elf Prozent der Stellen streichen und mehr auf chinesische Kunden und Schwellenländer setzen,
um die Wirtschaftsflaute zu überleben. Weltweit gingen die PC Auslieferungen um fünf Prozent zurück
und Lenovos Marktanteil schrumpfte von 7,5 Prozent im Vorjahr auf 7,1 Prozent. Wegen des zu geringen Bekanntheitsgrads
konnte Lenovo in den USA und Europa weder in die Topliga der PC Hersteller vorstossen, noch den Markt für billige
Privatcomputer erobern. Yang will sich mit Hilfe eines Umstrukturierungsprogramms dieser Probleme annehmen.
Quelle: FTD, 06.02.009
» Japan «
Kirschblütenfest - ein rosafarbener Ausnahmezustand
Die Kirschblüte, japanisch ‚Sakura' genannt, ist ein alljährliches atemberaubendes Naturereignis, das von der
ganzen Nation exzessiv gefeiert wird. Die Blüte wandert ab Ende März von Südwesten nach Nordosten,
Japan gerät in einen regelrechten Blütenrausch - Zeitungen und Fernsehen veröffentlichen Sonderberichte
und Fotos der schönsten Bäume. Das Betrachten der Blüten, ‚Hanami' genannt, ist der liebste Zeitvertreib
und nicht nur auf bestimmte Stadtteile beschränkt. Hanami kann still von statten gehen oder ausgelassen.
Unter den Trauerweiden ähnelnden Kirschbäumen in Parks werden mit blauen Planen schon Vormittags Plätze
gesichert, auf denen dann am Abend zahllose Menschen Partys mit Snacks und Sake unter den angestrahlten Blütenwolken
feiern. Ansonsten graue Betonstädte leuchten wie mit hellrosa Watte überzogen, verschiedene Arten der
Zierbäume wachsen überall an strategisch ausgewählten Standorten, wo die Blütenexplosion am besten
zur Wirkung kommt. Die flauschige Pracht dauert etwa eine Woche, bevor die ersten herabrieselnden Blüten die Strassen mit
einem weichen Teppich überziehen.
Quelle: Süddeutsche, 03.02.09
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» Indien «
XO-Laptop - Neue Sensation im PC-Markt?
Nach dem Bau des billigsten Autos der Welt, dem Tato Nano, plant das Schwellenland Indien jetzt die Produktion des Laptop
“Sakshat”, der nur etwa 20 Dollar kosten wird. Der Laptop, der in etwa sechs Monaten in den Handel kommen soll, verfügt
über zwei Gigabyte Hauptspeicher und drahtlose Internetverbindung. Die Regierung plant damit die Förderung der
über 18.000 Schulen und 400 Universitäten. Das Gerät soll Schülern und Studenten ländlicher
Gebiete das Lernen erleichtern, das Programm wird rund 940 Millionen Dollar kosten. Details über Herstellung und
Realisierung des Projekts wurden aber noch nicht genannt.
Damit würden bestehende Billig-Notebooks deutlich unterboten. Der XO-Laptop der Entwicklungsinitiative
“One-Laptop-per-Child” (OLPC) verdoppelte allerdings fast seinen ursprünglichen Preis von 100 Dollar auf 188
Dollar. Ein Nachfolgegerät soll bald für rund 75 Dollar auf den Markt kommen.
Quelle: Süddeutsche, 03.02.09
» Saudi Arabien «
König Abdullah strebt Reform von oben an
König Abdullah von Saudi Arabien, seit 2005 im Amt, strebt eine moderate Reform des politisch-religiösen
Gefüges an. Er hat die verheiratete 52-Jährige Diplom-Soziologin Nura bin Abdullah al-Fayez zur Vizeministerin
für Mädchenbildung ernannt. In dem ultrakonservativen, absolutistischen Königreich, wo Frauen unter
anderem ohne Genehmigung eines männlichen Familienmitglieds weder Auto fahren, wählen, arbeiten,
reisen oder zum Arzt gehen dürfen, ist die Berufung
Die Regierungsumbildung Abdullahs beinhaltet weiterhin die Neubesetzung von Schlüsselpositionen wie die des Vorsitzenden
des Obersten Richterrates, der noch letzten September die Tötung von Eigentümern von Satellitensendern
für zulässig erklärte, wenn deren Programme angeblich unmoralische Inhalte verbreiteten.
Auch der Chef der berüchtigten Sittenpolizei wurde entlassen, die mit Gewalt und unter grober Missachtung der
Privatsphäre kontrolliert, ob Frauen und Männer sich strikt vorschriftsmässig verhalten und sogar
Kino als Teufelswerk betrachten.
Abdullah änderte ausserdem die Zusammensetzung des 21-köpfigen Rats der islamischen Rechtsgelehrten,
in dem bisher nur ultrakonservative hanbalistische Scheichs dominierten. Jetzt werden sunnitische Gelehrte aller
Strömungen islamische Rechtsgutachten, genannt “Fatwas”, zu gesellschaftlichen Fragen formulieren.
König Abdullah hat offenbar in seiner Amtszeit genug Rückhalt gesammelt, um diese Eingriffe im Rahmen einer
Reform von oben vorzunehmen. Er gilt als frommer Muslim und wird auch international enorm respektiert. Dennoch riskiert
seine Reformagenda, die Gesellschaft in ein konservatives und ein aufgeschlosseneres Lager zu spalten. Die neue
Vizeministerin könnte unter Umständen durch Kompetenz und Erfolg einen Sinneswandel der Reformgegner bewirken.
Quelle: Die Welt, 17.02.2009
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