HJ-Newsletters

Augsburg, April 2009

Inhaltsverzeichnis:

 

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» China «

China wird Spitzenreiter bei Maschinenbau
 
Im Jahr 2008 belegte Deutschland wie 2007 zwar wieder Platz Zwei im weltweiten Absatz von Maschinen und Anlagen, China allerdings löste mit Erlösen in Höhe von 271 Milliarden Euro erstmals die USA auf Platz Eins ab und verwies sie auf den dritten Rang vor Japan und Italien.
2007 wurden weltweit Maschinen und Anlagen für 1,35 Billionen und 2008 für 1,6 Billionen Euro hergestellt. Für das laufende Jahr wird laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) weltweit mit einem Rückgang der Erlöse von etwa zehn Prozent gerechnet.
In den ersten beiden Monaten dieses Jahres erreichte der Auftragseinbruch beim deutschen Maschinenbau mit der Halbierung der Bestellungen seinen bisherigen Höhepunkt, der Produktionsrückgang lag dadurch bei 23 Prozent.
Mitte des Jahres wird aber durch gesunkene Lagerbestände und dem allmählichen Greifen der weltweit aufgesetzten Konjunkturpakete mit einem Ende des drastischen Auftragsrückgangs gerechnet. Der VDMA sieht dieses Jahr trotzdem etwa ein Fünftel weniger Maschinenproduktion vorher, was mittlerweile die Kurzarbeit von etwa 100.000 Beschäftigten in Deutschland bzw. jedes zehnten deutschen Maschinenbauers verursachte.
 
Quelle: Welt, 20.04.09

 

Neuvermessung der chinesischen Mauer
 
Chinas Längenmaß Li (= 500m) führte zur bisherigen Bezeichnung "10 000 Li lange Mauer", was 5000 Kilometern entspräche. Das vor 2000 Jahren errichtete und unter der Ming Dynastie (1368-1644) renovierte Bauwerk wurde in einem zweijährigen Projekt neu vermessen mit dem Ergebnis von 8851,8 Kilometern Länge. Ausgehend von den Huashan-Bergen im Nordosten Chinas zieht sich die Mauer durch zehn Provinzen; über 6259,6 Kilometer wurden von Menschen errichtet, 2232,5 Kilometer bestehen aus integrierten Naturbarrieren wie Bergen und Flüssen. Unzählige Wach- und Leuchtfeuertürme dienten einst der Überwachung und Nachrichtenübermittlung bei drohenden Angriffen. Da nur noch 513 Kilometer der Mauer halbwegs erhalten sind, will Peking in den nächsten Jahren das Weltkulturerbe vor weiterem Verfall schützen.
 
Quelle: Welt, 20.04.09

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Privatverlegern wird Buchdruck erlaubt
 
China erlaubte bisher nur Verlagen fremdsprachiger Bücher die Existenz. Peking bricht jetzt das seit 50 Jahren bestehende Monopol staatlicher Verlagshäuser und will Hunderte von Privatverlagen legalisieren, die geschätzte 100 Mio Euro jährlich dafür ausgeben, staatlichen Verlagen ISBN Nummern abzukaufen oder zu leihen. Die bisher halblegalen Privatverlage sind jedoch für ein Drittel des chinesischen Marktes und rund 80 Prozent aller Bestseller verantwortlich. Peking plant jetzt, Geldgeber der freien Wirtschaft zu Investitionen zu ermutigen.
Im Zug der Reformen wollen staatliche Verlage durch Fusionen, Zukäufe und Börsengänge einige Großverlage gründen und so ihre Produktivität steigern.
Die Privatverleger sehen in diesem Schritt keine Einführung verlegerischer Freiheit; sie befürchten vielmehr den Aufkauf privater durch staaliche Verlage, die dann ihre Tochterfirmen zum Aktienhandel freigeben.
 
Quelle: FTD, 10.04.09

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Chinas Konjunktur als Einzige im Wachstum
 
Trotz der weltweiten Wirtschaftskrise scheint sich Chinas Konjunktur als erste zu erholen und kann als einzige der fünf größten Wirtschaftsnationen wieder Wachstum vorweisen. Von Januar bis März stieg das ruttoinlandsprodukt zwar statt angestrebter neun Prozent nur um 6,1 Prozent, der Einzelhandelsumsatz aber um etwa 15 Prozent, Investitionen um 28,6 Prozent, die Industrieproduktion um über acht Prozent und der Autoabsatz erreichte ein neues Rekordniveau. Da sich Exporte vor allem in die USA sowie andere Industriestaaten um mehr als ein Viertel verringerten, mussten Tausende von Fabriken schließen und Millionen Wanderarbeiter wurden arbeitslos, doch Konjunkturhilfen von umgerechnet rund 450 Milliarden Euro beginnen zu greifen. Investitionen in Infrastruktur, Steuererleichterungen, Energieprojekte und die Entwicklung des ländlichen Raums helfen China, als erste Nation die konjunkturelle Wende zu vollziehen. Das Konjunkturpaket ist realisierbar durch enorme Sparguthaben des Staates (Devisenreserven von rund zwei Billionen Dollar) und der Bürger, die im
Gegensatz zum Durchschnitts-Amerikaner (keine Ersparnisse) regelmäßig etwa die Hälfte ihres Einkommens auf die hohe Kante legen. Die Kreditvergabe der Banken hat deutlich zugenommen genauso wie privater Konsum. Die Börsen in Shanghai und Shenzen, die Ausländern kaum zugänglich sind, legten rund 40 Prozent zu, die ausländergeprägte Börse Hongkongs verzeichnete Anfang des Jahres Verluste, die aber wieder aufgeholt wurden.
In Zukunft könnte sich sowohl die Bedeutung von Chinas Exportindustrie verringern, als auch die angestrebte Wachstumsrate von zehn Prozent niedriger ausfallen. Vormals explodierende Immobilienpreise, die bereits sinken, könnten für viele Verbraucher Zahlungsunfähigkeit bedeuten und bei den Banken Probleme auslösen. Die stetig anhaltende Bevölkerungswanderung vom Land in Städte und die damit weiter wachsende Nachfrage nach Wohnraum stimmt aber optimistisch.
 
Quelle: SZ, 16.04.09/Welt, 19.04.09

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Gras-Matsch-Pferd kämpft gegen Internetzensur
 
Chinesische Behörden verwenden spezielle Suchmaschinen, die durch Erkennen einschlägiger Schriftzeichen im Internet politisch Negatives und sexuell Anrüchiges aufspüren und verbannen. Bis vor kurzem entging ihnen jedoch die intelligent getextete Figur des "Gras-Matsch-Pferdes"(Chao Ni Ma), was ausgesprochen auch ähnlich einer obszönen Beschimpfung klingt. Das schräge Pferdchen, seit Januar eine kreative und populäre Ikone des Widerstands gegen Internetzensur, kämpft in Internetvideos, Gedichten und Kinderliedern gegen Flusskrebse (Aussprache ähnlich wie Zensur), die ihm Grasland (Aussprache wie Meinungsfreiheit) wegnehmen wollen.
Rund 250 Millionen chinesische Internetbesucher genossen die Wortwitze des fröhlich-intelligenten Pferdchens, das die Zensoren nur durch einen Artikel in der "New York Times" entdeckten. Die Internetvideos wurden prompt für Chinas Freigeister unzugänglich gemacht, aber Web-Unternehmer verkaufen bereits weiße Gras-Matsch-Plüschpferdchen auf ihren Websites.

 
Quelle: SZ, 12.03.09

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Die junge Mittelschicht muss sparen
 
Anfangs wurden vor allem Chinas Wanderarbeiter entlassen, jetzt fürchten auch Angestellte und Manager um ihre Jobs und die Zukunft ihrer Kinder. Die offizielle städtische Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent, dürfte aber in Wahrheit viel höher sein. 1,5 Millionen Uni-Absolventen von 2008 suchen noch Arbeit, dazu kommen jetzt 6,1 neue Akademiker.
Einkommenseinbußen bei Selbstständigen sind an der Tagesordnung, Angestelltengehälter werden eingefroren, das Gehalt von Topmanagern um 30 bis 50 Prozent gesenkt, Bonuszahlungen werden vielfach gestrichen, vor allem Beschäftigte in der Elektrobranche fürchten im Zeichen der Wirtschaftskrise die drohende Entlassung. Die Mittelschicht Chinas muss sparen, andererseits stellen dadurch kleine Geschäfte, zum Beispiel günstige Markenkleider mit kleinen Fehlern einen Kundenzuwachs fest.
 
Quelle: FTD, 18.04.09

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» Taiwan «

Angestrebte Konsolidierung der Chipindustrie
 
Taiwanesische Hersteller von Speicherchips, verwendet in Computern, Spielkonsolen oder Grafikkarten, sind noch zu klein, um den massiven Preisverfall im eigenen Land zu stützen; durch Überexpansion und Nachfrageeinbruch entstanden der gesamten Branche weltweit milliardenschwere Verluste. Die taiwanesischen Unternehmen haben keine eigene Forschungsabteilung und müssen Lizenzgebühren an ausländische Konkurrenten zahlen.
Das von der Regierung initiierte Bündnis mit Japans größtem DRam Produzent Elpida als Technologiepartner formt jetzt die Taiwan Memory Company (TMC), eine Holding, unter dessen Dach auch die taiwanesische Nanya, Powerchip, Rexchip und Promos schlüpfen sollen. Die Aktienkurse der Unternehmen stiegen durch den Schritt bereits kräftig. TMC will sich auf Chips für Mobiltelefone konzentrieren. Eine Konsolidierung ist Ende 2009 in Sicht - es könnten dann weltweit drei Marktführer übrig bleiben: der Riese Samsung, der Ende letzten Jahres einen Marktanteil von 30 Prozent verzeichnete, Hynix mit 20,8 Prozent, beide aus Südkorea und TMC. Letztere will ausländischen Wettbewerbern Schlüsseltechnologien und - patente abkaufen und die Chips vor Ort unter dem Namen Elpida oder TMC produzieren und absetzen. Im Gegenzug sind Investitionen in die Partnerunternehmen geplant. TMC strebt außerdem die Zusammenarbeit mit dem US Konzern Micron an, der bereits Technologien für den DRam Hersteller Nanya lizenziert.
Qimonda in Deutschland ist insolvent, taiwanesische Hersteller, die die Konsolidierung verweigern, werden wohl nicht überleben.
 
Quelle: FTD, 16.04.09

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» Japan «

Nationalismus an Japans Schulen
 
Auf Japans Nationalsymbole der aggressiven Militärdiktatur wie der Flagge und dem Absingen der Nationalhymne, wurde bis 1999 bei Schulfeiern verzichtet. Seit Wiederbelebung des Nationalismus vor etwa 10 Jahren prüfen Staatsbeauftragte, ob bei den Feiern die Fahne gehisst, die Hymne von allen mitgesungen wird und die Anwesenden feierlich gekleidet sind. Gegen den Widerstand vieler pazifistischer Lehrer setzt vor allem die ausländerfeindliche Stadtregierung Tokios strenge Vorschriften durch. Bei Zuwiderhandlung drohen rebellischen Lehrern Verwarnungen, Gehaltskürzung oder Verweigerung der sonst üblichen Teilzeitanstellung nach der Pensionierung. 172 Lehrer klagten vor einem Bezirksgericht in Tokio auf ihr Recht auf Meinungsfreiheit, die Klage wurde abgewiesen. Die Anwältin legte Berufung ein, der Fall soll vors Oberste Gericht kommen.
Laut Aussage Betroffener sei die vormals freudige Stimmung bei Abschlussfeiern verschwunden - einige Schüler und Lehrer singen aus Protest einen englisch parodistischen Text anstelle der Originalversion zu der Hymne.
 
Quelle: SZ, 03.04.09

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Ausreiseprämie für Migranten
 
Rund 400 000 südamerikanische Zuwanderer japanischer Herkunft, hauptsächlich aus Brasilien, die als billige Arbeitskräfte während des Booms der 1990er angeheuert wurden, tragen zur derzeitigen Arbeitlosenzahl Japans (4,4%) bei. Im Zeichen der Wirtschaftskrise versucht der Staat mit finanziellen Anreizen, die Migranten wieder los zu werden. Pro Ausreisendem bietet die Regierung Euro 2300 und weitere Euro 1500 für jedes weitere Familienmitglied; allerdings ist danach keine Rückkehr auf den japanischen Arbeitsmarkt mehr möglich. Es wird nur mit schwacher Nachfrage des Angebots gerechnet, da auch Südamerika unter der Weltwirtschaftskrise leidet.
 
Quelle: SZ, 02.04.09

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» Südkorea «

Gefängnisstrafe für vorhergesagten Finanzkollaps
 
Der Südkoreaner Park Dae Song mit dem populären Blog Pseudonym Minerva sagte den Kollaps der Lehmann Brothers und die Rezession voraus. Zeitungen zitierten seine Börsen- und Wechselkursprognosen, er kritisierte die konservative Regierung des Präsidenten Lee und schrieb, sie hätte kleinen Provinzbanken verboten, Dollars zu verkaufen. Unter der Anklage, Falschinformationen verbreitet und damit den Kurs der koreanischen Währung manipuliert zu haben, wurde er verhaftet und soll 18 Monate ins Gefängnis. Die wahre Identität Parks, über die von ihm selbst verbreitete Gerüchte kursierten, ist ein IT Techniker, der Insiderwissen abstreitet und seine oft korrekten Prognosen mit allgemeinem Interesse für Wirtschaft erklärt.
Er wirft der Regierung Korruption und Verbreitung von Fehlinformationen vor. Ein weiteres Essay über die Krise sei nicht von ihm, sondern von sieben Finanzexperten geschrieben worden, die seinen Namen verwendet hätten - es könnte natürlich auch umgekehrt gewesen sein.
Die Opposition wertet Parks Verhaftung als Vorwand zu einem Angriff auf freie Meinungsäußerung. Sein Bekanntheitsgrad bei der Bevölkerung sei ein Zeichen fehlenden Vertrauens in die Regierung Südkoreas, die bis vor 20 Jahren noch eine Militärdiktatur war. Präsident Lee verschärfte erst kürzlich die Gesetze für Internet-User, nachdem sich Demonstranten übers Web organisiert hatten. Die Suchmaschine Daum.net war der Polizei bei der Suche nach Parks behilflich und verlor dadurch zahlreiche Blogger.
 
Quelle: SZ, 17.04.09

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» Indien «

Kaste der Unberührbaren könnte Wahlausgang in Indien entscheiden
 
Indien, die weltgrößte Demokratie mit über 700 Millionen Wahlberechtigten wählt ein neues Parlament. Die 35 Bundesstaaten und Unionsterritorien stimmen in circa 830.000 Wahllokalen an fünf Wahltagen ab, die sich bis zum 13. Mai erstrecken. Zur Wahl stehen die von Sonia Gandhi geführte Regierungskoalition (Vereinte Fortschrittsallianz/UPA), und die National-Demokratische Allianz (NDA) mit der hindu-nationalistischen BJP an der Spitze. Die dritte Front wurde von Linken und Regionalparteien gegründet mit der Hindu-Politikerin Mayawati Kumari an der Spitze. Die ehrgeizige Regionalpolitikerin, die Premierministerin werden will regiert im größten Bundesstaat Uttar Pradesh, der allein 80 Abgeordnete der 545 Sitze im Unterhaus des Parlaments stellt. Kumari ist Angehörige der Kaste der Unberührbaren, und deshalb der Stimmen ihrer eigenen Kaste sicher, die 20 Prozent der Wähler stellt. Kumaris unerhörter Aufstieg als Unberührbare symbolisiert einen Wandel in der indischen Gesellschaft. Die umstrittene Politikerin engagiert sich zwar wenig in ihrem Regierungsbezirk und spricht kaum Englisch, lässt aber in der Hauptstadt Lucknow riesige Monumente inklusive ihres Eigenen und bekannter Kastenangehöriger errichten. Trotz mehrerer Korruptionsverfahren gegen sie wird sie wahrscheinlich "Königsmacherin", da laut Umfrageergebnissen weder die Kongresspartei noch die BJP genügend Sitze erringen werden, um alleine regieren zu können.
Drängende Wahlkampfthemen sind unter anderem Entwicklung, abnehmendes Wirtschaftswachstum und innere Sicherheit. Die Wahlbeteiligung in Indien liegt durchschnittlich bei 60 Prozent und elektronische Wahlmaschinen haben seit 2004 Einzug gehalten.
Muslimische Extremisten haben zum Wahlboykott aufgerufen und maoistische Rebellen sind für diverse Anschläge auf Wahllokale, Mitarbeiter und Polizisten verantwortlich.
 
Quelle: SZ, 16.04.09/FTD, 17.04.09

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» Indoniesien «

Eine Doppelrolle für die junge Demokratie
 
Seit 1998 hat sich das muslimische Indonesien, ein Staat mit 240 Millionen Einwohnern, von einer Diktatur zur echten Demokratie gewandelt. Das Land mit 450 Verwaltungsbezirken, vielen Sprachen, Stämmen und Inseln wird das "Indonesische Modell" genannt, auch wenn es noch nicht ganz perfekt ist. Die fünf Punkte der Verfassungspräambel lauten: Glauben an den einen und alleinigen Gott, Humanismus und Internationalismus, nationale Einheit, Demokratie, soziale Gerechtigkeit.
Die engagierte Moderatorin und Kandidatin der Opposition "Demokratische Partei des Kampfes", Rieke Pitaloka, will bei den Wahlen im April ins Parlament einziehen, wenn anstatt geschlossener Listen erstmals Kandidaten direkt gewählt werden können. Sie wettert auch in ihrer Fernsehsendung unter anderem gegen Polygamie, Machismo, hohe Lebensmittelpreise, Korruption, Armut, Bigotterie und islamische Fundamentalisten - und hat hohe Einschaltquoten. Die fundamentalistische, gewalttätige "Islamic Defender Front" hasst und bedroht sie, die 35 jährige Schauspielerin und Dichterin verficht weiterhin vehement Pluralismus und die Säkularität des Staates.
Der indonesische Islam ist von buddhistischen und hinduistischen Elementen durchzogen. Ein Großteil der ethnisch und geographisch zerrissenen Bevölkerung ist zwar tiefgläubig, aber auch tolerant, was teilweise den Erfolg des "Indonesischen Modells" erklären könnte.
Die heutige Polit-Aktivistin Pitaloka wurde bekannt und beliebt durch ihre kämpferische, ironische Selbstdarstellung als Hauptfigur einer bekannten Soap-Opera-Serie. Populäre Persönlichkeiten wie Stars, Tänzer oder Sportler werden bei der kommenden Kandidatenwahl wichtiger sein als das politische Programm. Obwohl viele von ihnen unerfahren sind, gelten sie gerade deshalb als unverbrauchte, korruptionsfreie "Künstler", die dem Volk eher verbunden seien.
 
Quelle: SZ, 09.04.09

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