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Augsburg, Mai 2009

Inhaltsverzeichnis:

 

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» China «

Herausforderung für deutsche Solarfirmen
 
Chinas größter Energieversorger ENN, seit Frühjahr Produzent von 5,7 qm großen Dünnschicht-Silizium-Solarmodulen, will über die Tochter ENN Solar Energy auf den internationalen Markt vorstoßen und das Produkt auch in Deutschland vertreiben. In der ersten Ausbaustufe hat die Produktion in China eine Kapazität von 60 Megawatt pro Jahr, bis 2011 ist ein Ausbau auf 500 Megawatt geplant. 15 Prozent des Umsatzes sollen jährlich in Forschung und Entwicklung investiert werden und 2020 soll die Hälfte des Umsatzes aus dem internationalen Geschäft kommen. Das Unternehmen mit derzeit rund 26.000 Mitarbeitern wächst rasant.
Die Dünnschichttechnologie ist zwar nicht ganz so effizient wie klassische kristalline Solarmodule, dafür aber billiger. Keine Billigpreisstrategie sondern erstklassige Technik, Qualität und Service stehen im Vordergrund. Schlüsselfertige Komplettlösungen sind heute mehr gefragt als nur Module.
Die Produktionstechnik lieferte der US Konzern Applied Materials, gefertigt wird mit Robotern des deutschen Unternehmens Kuka und das Glas kommt aus Japan - Chinas Vorteil sind aber die niedrigeren Lohnkosten. Anbieter Kraftwerk Sonne will die Module in Deutschland und Europa vertreiben.
Große Anbieter wie Sharp und Koycera aus Japan sowie die chinesische Suntech oder Baoding Yingli setzen deutsche Anbieter bereits unter Druck, etwa 60 Prozent der gesamten Solarzellenproduktion stammt aus dem asiatisch-pazifischen Raum. "Grüne Technologien" aus China, wozu auch Techniken zur Kohlevergasung zählen, sollen weltweit bald führende Rollen einnehmen.
 
Quelle: FTD, 12.05.09

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Hainan - Chinas Antwort auf Hawaii
 
Hainan, die südlichste Insel Chinas, und fast auf demselben Breitengrad wie Hawaii gelegen, zählt etwa sechs Millionen Urlauber im Jahr und strebt in fünf Jahren 50 Millionen an. Die Insel hat als einzige tropisches Klima, lange Sandstrände und Tauchgründe. Hainan ist etwas kleiner als die Schweiz mit 300 Sonnentagen im Jahr, durchschnittlichen 25 Grad Luft- und 28 Grad Wassertemperatur und einer Buddhafigur, die höher als die Freiheitsstatue ist. Auf Hainan genießt man angeblich die beste Luft. Man kann Ausflüge zu den Ureinwohnern, dem Volk der Li buchen, einer freundlichen Vorzeigeminderheit mit Pfeil, Bogen und Aberglauben, wie sich das gehört. Sogar ein Naturpark mit dichtem Urwald und Wasserfällen ist vorhanden, den man sowohl erwandern als auch mit Elektrowägelchen durchfahren kann.
Die Stadt Sanya im Süden, wo sich der Tourismus konzentriert, bietet außer Souvenirläden, Bettenburgen und Fast-Food Restaurants sogar Boutiquen mit Ledermänteln und Pelzjacken, sehr beliebt bei den vielen russischen Touristen. Immerhin ist Hainan von Sibirien oder Moskau aus nicht weiter weg als Deutschland von den Kanaren. Kyrillische anstelle englischer Übersetzungen auf Speisekarten und zahlreiche Wodkasorten in den Bars machen den Russen die Ferien noch angenehmer. Amerikaner und Europäer sind noch rar. In den Meeresbuchten reihen sich unzählige, internationale Luxushotels aneinander wie in einer Reihenhaussiedlung. Nur das neue 'Mandarin Oriental Sanya', eines der schönsten Hotels Chinas für die reichsten Menschen der Welt, liegt abgeschieden - eine Mischung aus Minimalismus und asiatischer Tradition mit der größten Presidentensuite der Welt (3328 qm).
Außßerhalb Sanyas wuchert noch die Natur mit Palmen, Melonen- und Reisfeldern und, ein Scherz deutschsprachiger Reiseleiter, zahlreichen BMWs: Bauern mit Wasserbüffeln. Ausländische Gäste genießen trotz beginnendem Massentourismus fast leere Strände. Chinesen buchen zwar Ferien am Strand, die meisten können jedoch weder schwimmen, noch zieht es sie ins Wasser. Sie wagen sich höchstens mit Schwimmflügeln bis zu den Knien hinein, posieren stolz für Fotos und schützen sich ansonsten mit Schirm und Handschuhen vor der Sonne - Sonnenbaden und Bräunen sind verpönt. Sehr beliebt sind dagegen die in heimischen Fabriken gefertigten grellbunten Hawaiihemden, Gruppen lieben besonders identische Designs.
Ebenso beliebt sind Ausflüge an einen felsigen Strand, "Ende der Welt" genannt, wohin schon vor 1000 Jahren in Ungnade gefallene Staatsdiener verbannt wurden - das Alcatraz der Sung Dynastie. Der Ort ist recht hübsch, das Wetter immer schön und die Verbannten fühlten sich vielleicht recht wohl, so wie heute die vielen frohen chinesischen Touristen, die in Hawaiihemd, Schirm oder gemieteter Riesenschildkröte vor Felsen für Fotos posieren.
 
Quelle: Welt, 28.04.09

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Mehr Raucher sollen Konjunktur ankurbeln
 
350 Millionen von Chinas 1,3 Milliarden Einwohnern sind Raucher, die dem Staat Milliarden an Steuereinnahmen bringen. Zwar sterben jährlich etwa eine Million an den Folgen, dennoch hat die Bezirksregierung von Gong'an in der Provinz Hubei ihre Beamten jetzt angewiesen, jährlich gefälligst 230.000 Päckchen zu paffen, um öörtliche Zigarettenhersteller zu unterstützen und die Konjunktur anzukurbeln. Das Qualmverhalten wird von Inspektoren kontrolliert und bei Nichterfüllung der Quote drohen Ämtern Geldbußen. Kritische Stimmen zu dem Planziel warnen vor eigenmächtigem Handeln von Lokalregierungen, behördlichem Amtsmissbrauch durch die Zusammenarbeit mit Tabakkonzernen und dem Versuch ländlicher Steuerbehörden, damit ihre Einnahmen aufzubessern. Gesundheitliche Argumente wurden bisher nicht laut.

 
Quelle: SZ, 04.05.09 / Welt, 04.05.09

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Chinesen als Opfer unlauteren Wettbewerbs
 
Bekannte chinesische Unternehmen wie z.B. die Bank of China, Bergbaukonzerne, Getränkehersteller und viele andere mehr verzeichnen eine stetige Zunahme illegaler Nutzung oder Registrierung ihrer Markennamen im Westen. Direkte Wettbewerber oder auch Einzelpersonen, besonders in Hongkong, den USA, Europa und Afrika beantragen den Eintrag der Namen ins Handelsregister, um die Auslandsexpansion eines Konkurrenten zu behindern oder später den Namen teuer an das Originalunternehmen zurück zu verkaufen. In Deutschland prozessiert ein alteingesessener Tofuhersteller wegen Verletzung von Markenrechten und unlauteren Wettbewerbs gegen einen Lebensmittelimporteur, der Produkte mit seinem Namen und derselben Verpackung verkaufte. Die Zeiten, als meist nur europäische Firmen von solchen Vorfällen betroffen waren, sind endgültig vorbei.
 
Quelle: FTD, 23.04.09

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Kliniken für Internetsüchtige
 
Von 300 Millionen Internetnutzern landesweit sollen etwa 20 Millionen onlinesüchtig sein, viele davon Jugendliche, w obei eine Definition dieser Sucht noch nicht vorliegt. Manche Kinder beißen und schlagen um sich, wenn sie überforderte Eltern von Computerspielen wegzerren wollen. Ein leitender Psychiater warnte vor ausuferndem Surfen als einer "tödlichen Gefahr für die Kommunistische Partei und Nation".
Internetkliniken behandeln die neue Modekrankheit neuerdings mit Elektroschocks. Unter dem Vorwand eines "Gesundheitstests" werden Jugendliche ins Krankenhaus gelockt, gegen ihren Willen interniert und mit Elektroschocks dazu gebracht, ein Formular der ‚freiwilligen Einweisung' zu unterschreiben. Eine Klinik kann mit den Behandlungen, die einige Monate dauern können, jährlich mehrere Hundertausend Euro verdienen. Wird die Schockbehandlung abgebrochen, müssen Eltern zusätzlich Strafe zahlen; der Betrag kann mehrere Monatslöhne ausmachen. Das Vorgehen gerät zunehmend unter Kritik, Jugendexperten und Eltern befürchten langfristige psychische und physische Folgeschäden.
Andere Zwangsmaßnahmen für Süchtige sind Trainingscamps der Volksbefreiungsarmee, wo die Junkies marschieren und Spinde putzen lernen.
 
Quelle: SZ, 20.05.09

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» Taiwan «

Rivalen auf Annäherungskurs
 
Taiwan und China, seit 60 Jahren alte Feinde, haben ein Jahr nach Antritt der neuen Kuomintang-Regierung ihre wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte erheblich intensiviert.
Als Antwort auf die 1300 gegen Taiwan gerichteten Raketen Chinas hatte Taiwan für 6,5 Mrd. Dollar Waffen von den USA gekauft. Laut Taiwans Präsident Ma soll daher ein Friedensvertrag mit China oder gar eine Wiedervereinigung in seiner Amtszeit nicht debattiert werden. Taiwan will zwar vom radikalen Unabhängigkeitskurs abweichen, aber trotzdem nicht seine Souveränität kompromittieren.
Dennoch könnten eine flexibel reagierende Demokratie Pekings Taiwans internationalen Bewegungsspielraum erweitern. Beide Parteien sind zu Zugeständnissen bereit.
Trotz taiwanesischer Protestdemonstrationen gegen den neuen Schmusekurs stehen die Zeichen auf Pragmatismus wie rascher Integration der Wirtschaft, Justizkooperation und Amtshilfe bei Auslieferungen von Straftätern. Millionen Taiwanesen besuchen China; eine Million lebt und arbeitet dort und hat mehr als 70 Mrd. Dollar in Firmen investiert.
China offeriert jetzt eine Fülle von wirtschaftlichen, kulturellen und touristischen Angeboten sowie Sofortverhandlungen zur Integration Taiwans in eine neue innerasiatische Freihandelszone, die ab 2010 zwischen China und zehn Asean-Staaten in Kraft treten wird. Taiwans wichtigste Exportindustrien nach China -Petrochemie, Autoteile, Textilien und Maschinen - sollen von Zollsätzen befreit werden. 600.000 chinesische Touristen werden Taiwan besuchen dürfen, um die von der Finanzkrise schwer getroffene Insel wirtschaftlich zu unterstützen. Zusätzlich schickt Pekings Handelsministerium Einkaufsdelegationen nach Taiwan, welches seinerseits China Investitionen in gewissen Bereichen erlauben will. Ausgenommen werden dabei Hightech-Firmen und strategische Branchen wie Telekom. Taipehs Börse, seit Januar um über 40 Prozent gestiegen, will mit den Börsen Hongkong und Shanghai zusammenarbeiten. Eine Beteiligung Taiwans an der Weltgesundheitsorganisation (WHO), jahrelang durch Pekings Alleinvertretungsanspruch blockiert, erscheint endlich möglich.
Weitere friedliche Formen der Annäherung werden ein Schwimmfest mit Meeresüberquerung zwischen Taiwan und China, sowie eine gemeinsame Kunstaustellung der Nationalmuseen im Oktober sein. Der vielversprechende Titel ist "Harmonie und Integrität".
 
Quelle: FTD, Welt, 22.05.09

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» Japan «

"Hausfrauen" wetten Milliarden gegen den Yen
 
Japanische Privatanleger, auch "Hausfrauen" genannt, da diese in der Familie traditionell das Geld verwalten, verfügen über Ersparnisse von fast elf Billionen Euro. Sie wetten mit umgerechnet 91 Mrd. Euro gegen den Yen, denn die Risikobereitschaft der Investoren steigt wieder. Da sie von einem nahen Ende der Rezession ausgehen, hielten sie Ende April über 153.000 Kontrakte, die Rendite erzielten, wenn der Yen an Wert verliert, der dieses Jahr die schlechteste Performance gegenüber anderen Währungen aufweist. Die "Hausfrauen" schichten das Ersparte um und investieren wieder in höher verzinsliche Devisen.
Carry Trades, d.h. Zinssspekulationen, wobei Investoren Kredite in Niedrigzinsländern aufnehmen, um damit in anderen Ländern höher verzinsliche Aktiva zu erwerben, haben in vergangenen Jahren zum hohen Wertverlust des Yen beigetragen. Bei Wetten gegen den Yen sind der australische und neuseeländische Dollar am beliebtesten, gefolgt vom Euro.
 
Quelle: Welt, 14.05.09

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» Indien «

Indiens Wähler vertrauen linksliberaler Kongresspartei
 
714 Millionen Inder haben in der 15. Parlamentswahl, dem weltweit größten Wahlgang aller Zeiten, Premierminister Singh und der regierenden linksliberalen Kongresspartei ihr Vertrauen ausgesprochen. Trotz deren Hang zu Korruption, intellektueller Arroganz und der Besessenheit mit der Familie Gandhi, trotz Bürokratie, Kastensystem und 300 Millionen, die unter der Armutsgrenze leben, hat sich das riesige Land mit zahlreichen Kulturen, sechs Religionen und mehr als zwanzig Amtssprachen für einen demokratischen Kurs entschieden und sowohl den hetzerischen Hindu-Nationalisten als auch der extremen Linken eine deutliche Absage erteilt. Uttar Pradeshs Ministerpräsidentin Mayawati aus der Kaste der Unberührbaren ist ein weiterer Verlierer dieses überraschenden Wahlausgangs.
Während der Wirtschaftskrise, Terroranschlägen und Kriegswirren der Nachbarländer hat die Regierung Ruhe bewahrt und einen Kurs der Stabilität und Kontinuität beibehalten. Die Kongresspartei, der größte gemeinsame Nenner des riesigen Landes, steht mit Premierminister Manmohan Singh vor einer schwierigen Aufgabe. Zwar wurden in den letzten Jahren stetige Wachstumsraten verzeichnet, das Durchschnittseinkommen verdoppelte sich und die Mittelschicht wächst stetig und rapide. Reis ist billig, es gibt Schuldenerlasse für Bauern und Arbeitsbeschaffungsprogramme. Dennoch gelangen nur zehn Prozent aller Subventionen zu den Bedürftigen, und die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren gilt als unterernährt.
Aber diesmal wird es kein lähmendes Geschacher um Koalitionen wegen einer hauchdünnen Mehrheit geben. Die Partei benötigt weder Unterstützung von links, noch ist sie vom guten Willen regionaler Parteien abhängig. Indien setzt auf eine Ideologie des Zentrums und Singhs Plan der Liberalisierung der Wirtschaft. Es werden Reformen, ein Aufschwung der Finanzmärkte und mehr Konsequenz in der Außenpolitik erwartet, vor allem angesichts des Chaos und der politischen Instabilität der Nachbarländer. Singhs Partei kann sich außerdem langsam auf den Übergang zu einem jüngeren Anführer, Rahul Gandhi, vorbereiten. Zwei Drittel der mehr als einer Milliarde Inder ist jünger als 35 Jahre. Immerhin hat Singh betont, dass er im neuen Kabinett besonders auf den Faktor Jugend Wert legen wird.
Durch das Vertrauensvotum der Inder hat die Kongresspartei als demokratische Hoffnung der gesamten Region jetzt die Chance, in den kommenden Jahren den komplizierten Balanceakt zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu bewätligen und eine zentralere Rolle unter den Weltmächten einzunehmen.
 
Quelle: SZ, 17.05.09 / Welt, 18.05.09

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Kulturfaktor Korruption
 
Im Jahr 2007 zahlten alle indischen Haushalte mit einem Einkommen unterhalb der offiziellen Armutsgrenze von 1 Dollar pro Tag insgesamt Schmiergelder von 8,83 Mrd. Rupien an Polizisten, Lehrer, Ärzte, Verwaltungsbeamte, Telefontechniker und Wasserversorger.
Nur vereinzelt werden Schuldige bestraft oder gar suspendiert. Im Zentrum der Korruption stehen immer wieder Politiker aller Räänge, die kaum jemals nach Gesetz, sondern einzig zum eigenen Vorteil handeln. Hauptgründe sind Mangel an Transparenz und Verantwortungsgefühl, das Fehlen effizienter Wege zur Meldung von Korruption und ein genereller Mangel an Ehrlichkeit bei Beamten.
Undurchsichtige Regelungsflut, ausufernde Bürokratie sowie miserable Bezahlung staatlicher Angestellter sind Komponenten des Alltags und damit idealer Nährboden für Bestechung, Amtsmissbrauch und Erpressung. Besonders ausländische Unternehmen und Investoren werden geschröpft, was der indischen Volkswirtschaft schadet. Ohne lokale Hilfe vergeuden solche Unternehmen bis zu 75 Prozent der Zeit im Kampf gegen eine absurde und lähmende Bürokratie. Auch politische Agitation ist an der Tagesordnung.
Oft kassieren sogar die Auftraggeber selbst von ausländischen Unternehmen ab, wenn auch auf Umwegen. Ein Beispiel wäre die Stillegung einer Baustelle, die angeblich Sicherheitsbestimmungen nicht einhält, was ansonsten zum indischen Alltag gehört. Hintergrund dabei ist natürlich die Aussicht auf eine "persönliche Zuwendung", die dann z.B. als Spende für das "Heimatdorf" eines Beamten verkleidet wird. Werden Schmiergelder nicht bezahlt, droht die Schließung von Unternehmen oder die Streichung von Bau- oder Betriebsgenehmigungen unter fadenscheinigen oder widersprüchlichen Begründungen, oft zum Nachteil der Bevölkerung. Da wird dann z.B. eine lächerliche Mindesteinkaufsumme pro Kunde für einen Großmarkt festgesetzt in Höhe von zwei durchschnittlichen indischen Jahresgehältern.
Die Einsicht, dass Indien, immerhin die größte Demokratie der Welt, sich mit diesem System selbst stranguliert, dämmert nur langsam. Beschwerden bei Vorgesetzten sind kontraproduktiv. Bei großen Projekten ist es generell üblich, dass die zuständigen Minister zehn Prozent der Investitionssumme in die eigene Tasche abzweigen.
In der Rangliste korrupter Staaten ist Indien mittlerweile 12 Plätze hinter den regionalen Rivalen China zurückgefallen. Der Korruptionsindex CPI, der von 0 (in höchstem Maße korrupt) bis 10 (fast nicht existent) rangiert, hat Indien nur 3,4 Punkte zugeteilt - deutlich schlechter als sogar Schwellenländer wie Chile mit 6,9 Punkten.
 
Quelle: Welt, 22.05.09

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