http://www.sueddeutsche.de/panorama/600/487010/text/
nach oben
» Singapur «
Kommunikaton: Kürzelsprache spart Zeit
Die Vorzeigewirtschaft Singapur gilt als das Powerhouse Südostasiens mit den herausragenden Tugenden Schnelligkeit,
Pünktlichkeit und Effizienz. Darum reden die Einwohner auch bevorzugt in Abkürzungen, deren wahre Bedeutung sie oft
selbst nicht mehr kennen. Einige Beispiel der gängisten Kürzel im Alltag wären wie folgt:
MRT (Mass Rapid Transport) sagt man für die U-Bahn. CTE (Central Express Way), TPE (Tampine Express Way), PIE (Pan
Island Expressway) oder ECP (East Coast Parkway) betrifft Autofahrer und bezeichnet die großen Einfallstraßen in die Stadt
ab Flughafen.
Dann wären da noch 5CDW für Citibank Kunden (5 Day Clearing Week), mit Scheckannahme an nur fünf Wochentagen.
Der betagte MM (Mentor Minister) ist Staatsgründer Lee Kuan Yew, sein Sohn, Premierminister Lee, mag besonders die P65
(Post 65), alle die nach 1965 geboren sind.
Als Ausländer mit EP (Employment Pass), d.h. Arbeitserlaubnis, sollte man im "In" Viertel Holland V (Village) leben,
das europäisch angehaucht ist. Das Dokument erhält man im MOM (Ministry Of Manpower), einer traumhaft schnellen
und effizienten Behörde.
Gegen ATPs (Automatic Public Toilets) sträubt sich der Toilettenverband Singapurs bisher noch, wie schade. AK? (Alles klar?)
Quelle: Süddeutsche, 17.08.2009
http://www.sueddeutsche.de/reise/837/300835/text/
nach oben
» Japan «
Wettkampf um das netteste Lächeln
Tokyos Bahngesellschaft will neben superpünktlichen Züügen, prompten Änderungsanzeigen des Fahrplans und überall
präsenten, hilfsbereiten Mitarbeitenr den perfekten Kundenservice noch weiter ausbauen. Spezialgeräte des japanischen
Sensoren-Spezialisten Omron messen jetzt per "Smile-Scan" den Gesichtsausdruck der Schalterangestellten und bewerten ihn auf
einer Punkteskala von 0 bis 100.
Die Mitarbeiter begrüßen die Neuerung als spielerischen Wettkampf, verkrampftere Kollegen werden zur Nachahmung
breiter lächelnder Kollegen animiert. Ratschäge zur Perfektionierung des Lächelns erscheinen auf dem Bildschirm.
Nebenbei soll sich das Personal natürlich weiterhin auch intuitiv auf den jeweiligen Kunden einstellen. Japaner gelten
in ihren Serviceansprüüchen als unerbittlich.
Quelle: Süddeutsche, 31.08.2009
http://www.sueddeutsche.de/reise/504/485925/text/
nach oben
Wahlsieger verspricht bürgernahe Politik
Nach über 50 Jahren verlor die Liberaldemokratische Monopolpartei LDP mit Premierminister Taro Aso die Parlamentswahlen
haushoch an die Demokratische Partei DPJ. Die LPD, einst gegründet mit Hilfe des CIA, war Tummelplatz für Neoliberale,
Rechtsnationale und Sozialdemokraten mit Ministerambitionen, die vom Zugang zur Staatskasse träumten. Die Partei
führte das Land zwar aus den Trümmern des 2. Weltkriegs an den zweiten Platz der Weltwirtschaft, baute allerdings ein
Machtdreieck aus Partei, Industrie und Bürokratie auf, das keine Konkurrenz mehr fürchten musste.
Die Zentralbehörde für Industrie und Handel Miti ähnelte zwar eher einer sozialistischen Planungsbehörde,
steckte aber viel Geld in Bauprojekte der Provinz, was der LDP trotz Wirtschaftsstagnation immer wieder zum Wahlsieg verhalf.
2005 ernannte sie sogar Sport- und TV-Stars zu Abgeordneten, um sich Wählerstimmen zu sichern. Staatsschulden von
über 180% des BSP wurden nicht saniert, die Wirtschaftskrise diente als willkommene Entschuldigung. Der letzte Premier mit
seiner unverhohlener Verachtung aller Minderheiten und "kleinen Leute" war ein letzter Nagel in den Sarg der selbstherrlichen Partei, die jetzt wohl zu Splittergruppen zerfallen wird.
Die Partei des neuen Premiers Yukio Hatoyama besteht aus vielen jungen Parlaments-Neulingen - sie will weniger zentralistisch
und transparenter sein, die Wirtschaftspolitik bürgerfreundlich gestalten und sensiblen Umgang mit Minderheiten pflegen.
Das Ende altkolonialistischer Machtträume und antikommunistischer Propaganda könnte die Beziehungen zu China, dem Motor
der japanischen Wirtschaft, wieder erwärmen.
Der Fokus der USA-Allianz soll sich weg vom Militärischen hin zu Energie-Sicherheit und Umweltschutz bewegen, ein
Abzug der seit 60 Jahren in Japan stationierten 47.000 Amerikaner inklusive.
Zuküünftige Bemühungen um engere Beziehungen zu den asiatischen Nachbarn beinhalten als Fernziel eine ostasiatische
Gemeinschaft.
Quelle: Süddeutsche, 31.08./10.09.2009
http://www.sueddeutsche.de/politik/423/485844/text/
http://www.sueddeutsche.de/politik/587/486007/text/
nach oben
» Arabische Welt «
Ägypten: Verhaftungen von Fastenbrechern
Die Regeln des Ramadan besagen, dass tagsüber das Essen Trinken, Rauchen sowie Sex untersagt sind, ausgenommen sind nur
Reisende, Kranke und Kinder. In dem bevölkerungsreichsten arabischen Land mit vielen säkular orientierten Einwohnern
und 10% Christen wurde das Fastengebot bisher eher freiwillig eingehalten. Das ägyptische Gesetz beinhaltet keine
Strafverfolgung von Fastenbrechern.
Die Polizei verhaftete jetzt rund 150 Personen, die sich nicht an das Fastengebot des Ramadan hielten und in der
Öffentlichkeit aßen oder tranken, manche kauften nur Lebensmittel ein. In bestimmten Gebieten sollen tagsüber
sogar Cafes und Restaurants geschlossen bleiben. Der Innenminister begrüßte den Schritt. Menschenrechtler befürchten
eine "Talibanisierung" des Landes genauso wie im bisher sehr weltlichen Dubai, wo ein ähnlicher Trend zu beobachten ist.
Quelle: Süddeutsche, 14.09.2009
nach oben
nach oben
Zurück zum Nachrichtenzentrum