HJ-Newsletters

Augsburg, September 2009

Inhaltsverzeichnis:

 

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» China «

Massiver Ausbau erneuerbarer Energien
 
In einer Absichtserklärung mit dem amerikanischen Modulhersteller First Solar ist ab nächstem Jahr in der Inneren Mongolei der Bau des weltgrößten Solarkraftwerks geplant mit Fertigstellung 2019. Das photovoltaische Kraftwerk soll von zunächst 30 Megawatt schrittweise um jeweils 100 und zuletzt 1000 Megawatt auf eine Stromerzeugung von zwei Gigawatt ausgebaut werden und drei Millionen Haushalte versorgen. Damit wird China bis 2020 die Solarkapazität von aktuellen 90 Megawatt auf 10 bis 20 Gigawatt steigern und entwickelt sich rasant zu einem der wichtigsten Absatzmärkte. First Solar denkt bereits an die Produktion von Modulen in der Mongolei.
Der erste größere Vorstoßß einer US-Firma auf den chinesischen Markt der Alternativenergien hängt jetzt noch von der Vertragsaushandlung und der Regierung in Peking ab, die höhere Tarife zurEinspeisung von Sonnenenergie ins Stromnetz genehmigen muss.
Die gesamte von der Finanzkrise betroffene Branche mit teilweise liegengebliebenen Altbeständen unverkaufter Solarzellen erfuhr durch die Ankündigung der Aktien einen Boom. Papiere der norwegischen Renewable Energy (REC), Q-Cells und SMA Solar stiegen, First Solar Aktien sogar um 10 %.
Deutsche Hersteller verpassen scheinbar den Anschluss an das Boomgeschäft mit Alternativenergien und damit die Möglichkeit der Herstellung preislich wettbewerbsfähiger Solarzellen. Das größte Sonnenkraftwerk in Brandenburg mit Modulen von First Solar produziert lediglich 53 Megawatt.
 
Quelle: FTD, 09.09.2009
http://www.ftd.de/unternehmen/unternehmen/:erneuerbare-energien-china-baut-weltgroesstes-sonnenkraftwerk/50007218.html

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Persische Teppiche "Made in China"
 
Mit einem im Juli erlassenen Verbot des Teppichimports aus der Region Xinjiang wollte Pakistan ursprünglich Einreise muslimischer Uighur Separatisten unterbinden. Pakistanische Teppichhändler begrüssen jedoch den Erlass, da immer mehr chinesische Fälschungen den traditionellen, hochwertigen Teppichmarkt des Mittleren Ostens unterminieren. Die chinesische Fälschungswelle begann wohl in den 90er Jahren, als die Chinesen den potentiell lukrativen Markt unkundiger Teppichliebhaber entdeckten. Seither haben sie die Kunst tadelloser Kopien perfektioniert.
Die Händler im Mittleren Osten bangen um ihre Kunden, von denen viele ein Original nicht von einer Fälschung unterscheiden können und nur den deutlich billigeren Preis sehen, der unter anderem ein sicheres Zeichen für eine Fälschung ist.
Andererseits gibt es zahlreiche kundige Käufer, die pro Jahr Tausende Dollar für hochwertige Teppiche ausgeben und durch das Angebot unechter Markenware vergrault werden könnten. Immer mehr Geschäfte stapeln die chinesischen Importe deutlich getrennt von den echten Teppichen.
Kundige Händler erwarten jedoch, dass die steigende Nachfrage nach den billigen Fälschungen langfristig eine Massenproduktion mit deutlichem Qualitätsverlust zur Folge haben wird.
 
Quelle: FTD, 07.09.2009
http://www.ftd.de/karriere-management/business-english/:business-english-persian-by-name-chinese-by-nature/50004005.html

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Kunstwährungsanleihen in Milliardenhöhe
 
Der seit 60 Jahren bestehende Internationale Währungsfonds IWF hat zum ersten Mal die Ausgabe von Anleihen in der Kunstwährung, genannt Sonderziehungsrechte genehmigt um die Wirtschaftskrise abzufedern und den 186 Mitgliedern des Fonds eine sichere Investition zu bieten. Die maximale Laufzeit der Bonds ist fünf Jahre. Der IWF soll zur obersten Welt-Finanzaufsicht ausgebaut werden und muss seine Mittel aufstocken.
China, das seit Jahren Dollar gegen die eigene Währung kauft, steckte diese meist in US-Staatsanleihen und wurde dadurch zum größten Auslandsgläubiger der USA. China befürchtet nun eine Entwertung des US$ und will alternativ als sichere Investition Anleihen des IWF im Wert von 50 Mrd. $ kaufen.
Europa hat seinen Anteil zur Mittelaufstockung des Fonds von 75 Mrd. auf 125 Mrd. Euro erhöht.
 
Quelle: FTD, 03.09.2009
http://www.ftd.de/finanzen/:krisenfeuerwehr-iwf-erhaelt-milliarden-aus-china/50004809.html

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Heiratswut am 09.09.09
 
Zehntausende von Paaren haben am 09.09.09 geheiratet, da die Aussprache der Zahl 9 genauso klingt wie "für lange Zeit" und das Datum daher als Glückbringer gilt. Zehntausende heirateten landesweit, in Peking alleine gab sich die Rekordzahl von 18979 Paaren das Ja-Wort.
Auch deutschlandweit heirateten an diesem meist sonnigen Tag deutlich mehr Menschen als sonst, auch wenn der Andrang nicht ganz so massiv war wie in China. Dafür suchten sich manche Paare ungewöhnliche Trauungsorte aus wie z.B. die Zugspitze oder Europas höchste Achterbahn, wo das Ja-wort gebrüllt werden muss wegen des umgebenden Lärmpegels - der falsche Platz für Schüchterne und Zweifler.
 
Quelle: Süddeutsche, 12.09.2009
http://www.sueddeutsche.de/panorama/600/487010/text/

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» Singapur «

Kommunikaton: Kürzelsprache spart Zeit
 
Die Vorzeigewirtschaft Singapur gilt als das Powerhouse Südostasiens mit den herausragenden Tugenden Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Effizienz. Darum reden die Einwohner auch bevorzugt in Abkürzungen, deren wahre Bedeutung sie oft selbst nicht mehr kennen. Einige Beispiel der gängisten Kürzel im Alltag wären wie folgt:
MRT (Mass Rapid Transport) sagt man für die U-Bahn. CTE (Central Express Way), TPE (Tampine Express Way), PIE (Pan Island Expressway) oder ECP (East Coast Parkway) betrifft Autofahrer und bezeichnet die großen Einfallstraßen in die Stadt ab Flughafen.
Dann wären da noch 5CDW für Citibank Kunden (5 Day Clearing Week), mit Scheckannahme an nur fünf Wochentagen.
Der betagte MM (Mentor Minister) ist Staatsgründer Lee Kuan Yew, sein Sohn, Premierminister Lee, mag besonders die P65 (Post 65), alle die nach 1965 geboren sind.
Als Ausländer mit EP (Employment Pass), d.h. Arbeitserlaubnis, sollte man im "In" Viertel Holland V (Village) leben, das europäisch angehaucht ist. Das Dokument erhält man im MOM (Ministry Of Manpower), einer traumhaft schnellen und effizienten Behörde.
Gegen ATPs (Automatic Public Toilets) sträubt sich der Toilettenverband Singapurs bisher noch, wie schade. AK? (Alles klar?)
 
Quelle: Süddeutsche, 17.08.2009
http://www.sueddeutsche.de/reise/837/300835/text/

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» Japan «

Wettkampf um das netteste Lächeln
 
Tokyos Bahngesellschaft will neben superpünktlichen Züügen, prompten Änderungsanzeigen des Fahrplans und überall präsenten, hilfsbereiten Mitarbeitenr den perfekten Kundenservice noch weiter ausbauen. Spezialgeräte des japanischen Sensoren-Spezialisten Omron messen jetzt per "Smile-Scan" den Gesichtsausdruck der Schalterangestellten und bewerten ihn auf einer Punkteskala von 0 bis 100.
Die Mitarbeiter begrüßen die Neuerung als spielerischen Wettkampf, verkrampftere Kollegen werden zur Nachahmung breiter lächelnder Kollegen animiert. Ratschäge zur Perfektionierung des Lächelns erscheinen auf dem Bildschirm. Nebenbei soll sich das Personal natürlich weiterhin auch intuitiv auf den jeweiligen Kunden einstellen. Japaner gelten in ihren Serviceansprüüchen als unerbittlich.
 
Quelle: Süddeutsche, 31.08.2009
http://www.sueddeutsche.de/reise/504/485925/text/

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Wahlsieger verspricht bürgernahe Politik
 
Nach über 50 Jahren verlor die Liberaldemokratische Monopolpartei LDP mit Premierminister Taro Aso die Parlamentswahlen haushoch an die Demokratische Partei DPJ. Die LPD, einst gegründet mit Hilfe des CIA, war Tummelplatz für Neoliberale, Rechtsnationale und Sozialdemokraten mit Ministerambitionen, die vom Zugang zur Staatskasse träumten. Die Partei führte das Land zwar aus den Trümmern des 2. Weltkriegs an den zweiten Platz der Weltwirtschaft, baute allerdings ein Machtdreieck aus Partei, Industrie und Bürokratie auf, das keine Konkurrenz mehr fürchten musste.
Die Zentralbehörde für Industrie und Handel Miti ähnelte zwar eher einer sozialistischen Planungsbehörde, steckte aber viel Geld in Bauprojekte der Provinz, was der LDP trotz Wirtschaftsstagnation immer wieder zum Wahlsieg verhalf. 2005 ernannte sie sogar Sport- und TV-Stars zu Abgeordneten, um sich Wählerstimmen zu sichern. Staatsschulden von über 180% des BSP wurden nicht saniert, die Wirtschaftskrise diente als willkommene Entschuldigung. Der letzte Premier mit seiner unverhohlener Verachtung aller Minderheiten und "kleinen Leute" war ein letzter Nagel in den Sarg der selbstherrlichen Partei, die jetzt wohl zu Splittergruppen zerfallen wird.
Die Partei des neuen Premiers Yukio Hatoyama besteht aus vielen jungen Parlaments-Neulingen - sie will weniger zentralistisch und transparenter sein, die Wirtschaftspolitik bürgerfreundlich gestalten und sensiblen Umgang mit Minderheiten pflegen.
Das Ende altkolonialistischer Machtträume und antikommunistischer Propaganda könnte die Beziehungen zu China, dem Motor der japanischen Wirtschaft, wieder erwärmen.
Der Fokus der USA-Allianz soll sich weg vom Militärischen hin zu Energie-Sicherheit und Umweltschutz bewegen, ein Abzug der seit 60 Jahren in Japan stationierten 47.000 Amerikaner inklusive.
Zuküünftige Bemühungen um engere Beziehungen zu den asiatischen Nachbarn beinhalten als Fernziel eine ostasiatische Gemeinschaft.
 
Quelle: Süddeutsche, 31.08./10.09.2009
http://www.sueddeutsche.de/politik/423/485844/text/
http://www.sueddeutsche.de/politik/587/486007/text/

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» Arabische Welt «

Ägypten: Verhaftungen von Fastenbrechern
 
Die Regeln des Ramadan besagen, dass tagsüber das Essen Trinken, Rauchen sowie Sex untersagt sind, ausgenommen sind nur Reisende, Kranke und Kinder. In dem bevölkerungsreichsten arabischen Land mit vielen säkular orientierten Einwohnern und 10% Christen wurde das Fastengebot bisher eher freiwillig eingehalten. Das ägyptische Gesetz beinhaltet keine Strafverfolgung von Fastenbrechern.
Die Polizei verhaftete jetzt rund 150 Personen, die sich nicht an das Fastengebot des Ramadan hielten und in der Öffentlichkeit aßen oder tranken, manche kauften nur Lebensmittel ein. In bestimmten Gebieten sollen tagsüber sogar Cafes und Restaurants geschlossen bleiben. Der Innenminister begrüßte den Schritt. Menschenrechtler befürchten eine "Talibanisierung" des Landes genauso wie im bisher sehr weltlichen Dubai, wo ein ähnlicher Trend zu beobachten ist.
 
Quelle: Süddeutsche, 14.09.2009

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