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Augsburg, Oktober 2009

Inhaltsverzeichnis:

 

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» China «

Der lange Marsch zum globalen Markt
 
    Die Feier zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik mit den üblichen, prächtigen Militärparaden verschleiert den aktuellen Kampf um die Atommacht und den Cyberwar, die zögerliche Akzeptanz globaler Verpflichtungen und die Notwendigkeit friedlicher Entwicklung. Die beiden Riesen China und USA werden letztendlich über Weltordnung oder Unordnung entscheiden. Das neue "Reich der Mitte" wird die Spielregeln notgedrungen mitgestalten und anerkennen müssen. Passend zur Gedenkfeier präsentieren die deutschsprachigen Verlage auf der Frankfurter Buchmesse das vergangene Jahrhundert Chinas mit Romanen chinesischer Schriftsteller vom Kaiserreich bis heute.
    Die Autoren erzählen mit ihren Romanfiguren unter anderem vom Krieg gegen Japan, der Mao-Ära, von Kulturrevolution und dem Tiananmen-Platz Massaker bis hin zum Wirtschaftswunder.
    Die Reportagen und Erzählungen von Schriftstellern verschiedenster Schattierungen spiegeln die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen wider. Grauen, Leid, Hass und Verzweiflung, Sehnsucht, Hoffnung, aber auch die kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft sind teilweise in drastischer Sprache geschrieben, dargestellt in Form derber Volkskomödien, innerer Monologe oder auch als die Gedanken eines Verrückten, eines Komapatienten oder einer Rotgardistin. Lu Xun, ein chinesischer "Kafka" wird ebenso präsentiert wie Ma Jian mit einem Panorama Chinas, geschrieben als Tagebuchnotizen des Insassen eines Arbeitslagers. Unbequeme Werke wie z.B. Yan Liankes Erzählung der Aids Epidemie, ausgelöst durch das skrupellose Geschäft mit Blutspenden, wurden zu ihrer Zeit Opfer der Zensur.
    Li Er's Roman 'Koloratur', der das Schicksal eines Dichters beschreibt, gibt ein ironisches Fazit: "Dieses Gewerbe war doch von der Sehnsucht nach Wahrheit geprägt. Auch wenn alles falsch ist, wenigstens die Sehnsucht ist echt."
 
Quelle: Welt, 01.10.2009, von Michael Stürmer
http://www.welt.de/die-welt/debatte/article4691621/Chinesische-Strategien.html

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Superreiche auf der Abschussliste
 
    Etwa 0,4 Prozent der chinesischen Familien sind im Besitz von über 70 Prozent aller Reichtümer, hunderte Millionen vegetieren dagegen an der Armutsgrenze dahin. Seit der Zeit Deng Xiaopings, der dafür plädierte, einige wenige Menschen‚ zuerst einmal reich werden zu lassen' dürfen diese zwar Parteimitglieder werden und weiterhin Geld scheffeln, doch sie werden gnadenlos vom Finanzamt überwacht. Wer auf der sogenannten "Schlachtbank-Liste", auch "Hurun-Bericht" genannt als Reicher aufgelistet ist, kann mit häufigen Besuchen des Finanzamts rechnen. Scheinbar undurchschaubare Transaktionen haben leicht eine Anklage wegen Bestechung, polizeiliche Untersuchungen und langjährige Gefängnisstrafen zur Folge.
    Chinas viele Milliarden Dollar schwere Superreiche tun mittlerweile alles, um nicht aufzufallen.
    Der neueste Lottogewinner von rund 37 Millionen Euro ist über Nacht spurlos verschwunden.
 
Quelle: SZ, 17.09.2009, von Henrik Bork

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Imageverbesserung durch Medienoffensive
 
    Die Regierung will mit 4,5 Mrd. Euro einen nationalen Medienkonzern bilden, der sich mit CNN oder gar BBC messen kann und mit westlichen Medien zusammenarbeiten soll. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua und der Staatssender wollen expandieren, auch eine neue englischsprachige Tageszeitung wurde ins Leben gerufen. Allerdings ist sie genauso wie "China Daily" strikt regierungstreu. Die Vermutung liegt nahe, dass die kommunistische Partei lediglich ihren Einfluss ausdehnen will.
    Im Zuge dieser Offensive lud Xinhua zum World Media Summit in Peking ein, um Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zu diskutieren. Allerdings war der Zugang zu Facebook und Twitter für die Besucher auf ihren Hotelzimmern blockiert. Es hagelte Kritik über fehlende Diskussionen zum Unterschied zwischen echter Berichterstattung und Propaganda. Xinhua berichtete daraufhin lieber über das Lob eines Kongress-Besuchers für die Pekinger Parkanlagen.
 
Quelle: FTD, 12.10.2009
http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:world-media-summit-china-macht-milliarden-fuers-gute-image-locker/50022172.html

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Bahnministerium bestellt Bombardier-Züge
 
    Das kanadische Unternehmen Bombardier, weltweit drittgrößter Hersteller von Verkehrsflugzeugen und größter Bahntechnikhersteller baut für China bereits 250km schnelle Nacht- und Schnellzüge der Marke Zefiro. Das chinesische Bahnministerium hat jetzt einen Milliardenauftrag für 80 gewerblich einzusetzende Hochgeschwindigkeitszüge erteilt, mit 380 km pro Stunde die schnellsten dieser Art. Der Auftrag könnte den Reingewinn des Unternehmens wieder steigern, der bis Ende Juli um etwa 57 Millionen unter dem des Vorjahres lag.
    Marktführer für moderne Hochgeschwindigkeitszüge waren bisher Siemens mit der Technologie Velaro und Export nach China, Russland und Spanien sowie das französische Alstom mit dem TGV (Spanien und Korea). Auch die japanische Central Japan Railway will den Export ihrer Shinkansen-Züge, bisher nur nach Taiwan ausgeführt, weiter ausbauen.
 
Quelle: FTD, 29.09.2009
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:siemens-rivale-grossauftrag-fuer-bombardier-in-china/50016546.html

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Asiatische Finanzzentren rücken auf Spitzenpositionen vor
 
    Der 2007 von der City of London eingeführte Global Financial Centers Index zur Wertung der wichtigsten Finanzzentren befragt halbjährlich hunderte von Finanzprofis aus aller Welt zu Bereichen wie Geschäftsumfeld, Infrastruktur, Marktzugang und Mitarbeiterqualität. Diesmal sind schon 5 asiatische Städte in den "Top Ten". Hongkong steht auf Platz 3, Singapur auf 4, der Neuling Shenzen mit der zweitgrößten Börse Festlandchinas schaffte auf Anhieb Rang 5, Tokio erreichte 7, Shanghai verbesserte sich um 25 Plätze auf Rang 10, Peking holte 29 Plätze auf zu Rang 22. Dubai hingegen liegt überhaupt nicht mehr im Rennen.
    Asiens Finanzzentren wurden offensichtlich wesentlich weniger von der Finanzkrise betroffen als die Europas und der USA.
    Deutschlands langjähriger Spitzenreiter Frankfurt fiel von Platz 8 auf Rang 12, sogar London und New York könnten bald von China überholt werden.
 
Quelle: Welt. 25.09.2009, Von Karsten Seibel
http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article4617044

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Konjunkturwachstum höher als erwartet
 
    Aufgrund des weltweit größten, staatlichen Hilfspakets wächst Chinas Konjunktur wieder, sogar schneller als von Experten vorhergesagt. Im dritten Quartal werden 9,2 Prozent, im vierten 11,3 und für 2010 insgesamt 10 Prozent erwartet. Investitionen werden von Industrie und Exportwirtschaft auf Infrastruktur und den Immobilienmarkt verlagert. Der Preisverfall der asiatischen Mieten war deutlich geringer als in Europa, in Shanghai und Peking lag er um 25 Prozent, in Taipeh nur bei 10 Prozent. Auf- und Abwärtstrends werden aufgrund kurzer Mietlaufzeiten schneller abgefangen.
    Einer Umfrage des Ostasiatischen Maklerverbands Asian Real Estate Association zufolge sei China zur Zeit neben Japan und Australien am attraktivsten für Immobilieninvestitionen. Chinas hohe Binnennachfrage spiegelt den starken Trend zur Urbanisierung vor allem in Städten der Ostküste wie Tianjin, Shenzen und Chongqing wider. Am meisten gefragt sind Wohn- und Einzelhandelsobjekte der mittleren Preisklasse.
    Für internationale Investoren ist China grundsätzlich interessant, wenn auch riskant. Ein zuverlässiger lokaler Partner, kundig in rechtlichen und finanziellen Fragen sowie Kontakten in Politik und Wirtschaft ist unabdingbare Voraussetzung für erfolgreiche Geschäfte.
 
Quelle: Welt. 02.10.2009, Von Birgitt Wüst
http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4706778

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» Taiwan «

Demokratie mit kultureller Schizophrenie
 
    Die kleine Insel mit 23 Millionen Einwohnern und einer rund vierhundertjährigen Geschichte, die standhaft einen Machtanspruch Pekings ablehnt, wird vor allem von Europa oft übersehen, obwohl sich Taiwan seit den ersten freien Präsidentschaftswahlen 1996 zu einer lebendigen Demokratie entwickelt hat. Die Demokratische Fortschrittspartei der taiwanesischen Unabhängigkeitsbewegung DPP wurde 2008 in die Opposition verdrängt, jetzt ist die eher am "Ein-China-Prinzip" orientierte KMT an der Macht.
Die Muttersprache in Taiwan ist ein südlicher Dialekt, genannt Minnanhua, aber die meisten Taiwanesen sprechen heute auch Hochchinesisch.
    Die ersten Chinesen siedelten sich im 15. Jahrhundert auf der Insel an, 1683 wurde sie von Peking ohne direkte politische Verwaltung annektiert, um die Zuwanderung zu kontrollieren. 200 Jahre später wurde Taiwan chinesische Provinz und nach dem chinesisch-japanischen Krieg japanische Kolonie. Noch heute sprechen viele Senioren in Taiwan Japanisch. Nur 50 Jahre später verlor Japan den Pazifischen Krieg und damit die Kolonien. Die Nationale Volkspartei unter Chiang Kaishek unterlag im Bürgerkrieg gegen die Volksbefreiungsarmee und floh mit etwa 1,5 Millionen Chinesen nach Taiwan, dessen Bevölkerung dadurch auf rund 5.5 Millionen anwuchs. Außer Soldaten und Bürokraten kamen im Zuge der Einwanderungswelle auch viele Gelehrte und nach Taiwan. Damit war der Grundstein für die heutige moderne Wissensgesellschaft mit etwa 150 Universitäten gelegt. Die Taiwanesen rebellierten 1947 gegen die Unterdrückung der neuen Machthaber, der Widerstand wurde brutal niedergeschlagen, ein Ereignis, das auf immer in die taiwanesische Geschichte einging.
    Die drei großen Einwanderungswellen der Inselvergangenheit brachten schließlich eine Gesellschaft hervor, die sich vorrangig über Weiterentwicklung und kulturelles Wachstum durch verschiedenste äußere Einflüsse definiert.
Eine Ausstellung zum 60jährigen Bestehen des Neuen Taiwan im Museum für Geschichte in Taipeh soll bei der Identitätsfindung der Taiwanesen helfen und verhärtete Fronten aufweichen. Durch Darstellung und Aufarbeitung der wechselhaften Vergangenheit des Landes soll auch das Verhältnis zu China neu bestimmt werden. Die Initiatoren versuchen, einer übertriebenen "Taiwanisierung" entgegen zu wirken. Es sei viel nützlicher, die positiven Errungenschaften der chinesischen Unterdrücker gewinnbringend zum Vorteil und der Weiterentwicklung der Unterdrückten zu nutzen.
    91 Prozent der Taiwaner halten China und Taiwan für zwei unabhängige Staatsgebilde, dennoch fühlen sich 80 Prozent als Chinesen, lehnen aber Pekings militärische Machtdemonstrationen ab. Sie sind stolz auf ihren Lebensstandard und die demokratische Öffnung nach außen- eine kulturelle Schizophrenie, die aber zugleich die Chance auf einen souveränen Pluralismus beinhaltet.
 
Quelle: Welt, 01.10.2009, Von Stephan Thome
http://www.welt.de/die-welt/kultur/article4691758/Im-Schatten-des-grossen-Drachen.html

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» Japan «

Der japanische Schuldenalbtraum
 
    Sowohl die alte, als auch die neue Regierung versuchen seit den 90er Jahren erfolglos, die Wirtschaftsleistung mit vorwiegend schuldenfinanzierten Stützungspaketen anzukurbeln. Die Wirtschaftskrise traf Japan am härtesten mit einem Einbruch des Bruttoinlandprodukts (BIP) von über 13 Prozent.
    Bisher hat Japan Schulden in Höhe von 5100 Milliarden Euro angesammelt, das sind 190 Prozent des BIP - die europäische Richtlinie liegt bei 60 Prozent, USA und Deutschland liegen bei 70 Prozent. Über 50 Prozent der japanischen Staatsanleihen kommen von der Notenbank, der staatlichen Rentenkasse und damit von den Bürgern, deren einst zweistellige Sparquote auf 2 Prozent gefallen ist. Bereits 23 Prozent der Haushaltsmittel müssen zur Zinstilgung herhalten und trotz des weiterhin niedrigen Zinsniveaus kann sich Japan einen Aufschwung auch ohne staatliche Hilfsmaßnahmen kaum mehr leisten. Die dadurch steigenden Zinsen ließe die Belastung für den Fiskus explodieren. Japans Dilemma erscheint ausweglos und die Defizite mit Inflation zu bezahlen, wäre fatal.
 
Quelle: Welt, 14.10.2009, von Michael Schramm
http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article4840212

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» Arabische Welt «

Ägypten: Liberaler Großscheich schafft Gesichtschleier ab
 
    Die höchste Autorität des sunnitischen Islam, Mohammed Sajid Tantawi, Großscheich der ägyptischen al-Azhar-Universität und Autor eines Mammutwerks zur Auslegung des Korans, will den Gesichtsschleiers (Nikab) an Universitäten und Schulen verbannen. Der bekannt gemäßigte islamische Rechtsgelehrte erlaubte bereits trotz massiven Widerstands den Schwangerschaftsabbruch nach Vergewaltigung, bezeichnet Selbstmordattentäter als Feinde des Islam und spricht sich gegen die Sitte der Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane aus. Sogar Terroranschläge gegen Israelis lehnt er ab.
    Das Tragen des Schleiers ist in Tunesien bereits verboten, in den Heiligen Stätten Saudi Arabiens allerdings Pflicht. Die vorislamische Tradition kann vom Koran nicht belegt werden und diente einst nur dem Schutz vor Sonne und Sand. Fundamentalistische Einflüsse Arabiens oder die Suche nach neuen einheitlichen Werten ließ erst in jüngster Zeit das Schleiertragen wieder aufleben.
    Tantawi, der auch den Ruf eines Ja-Sagers hat, wird nachgesagt, dass er mit dem Erlass wieder einmal die autoritäre Regierung unterstützen will, die dem radikalen Islam den Kampf angesagt hat.
 
Quelle: Welt, 07.10.2009, Von Michael Borgstede
http://www.welt.de/politik/ausland/article4768810

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Arabien: Joint Venture mit deutscher Traditionswerft
 
    Ein 50 zu 50 Joint Venture mit einer der führenden Schiffbauern der Golf-Region, der arabischen Abu Dhabi MAR Group soll Thyssen- Krupps Traditionswerft Blohm + Voss aus der Auftragsflaute helfen. Der Marine-Schiffbau von Thyssen-Krupp hat seit elf Jahren keinen Auslandsauftrag mehr erhalten, der neue Partner allerdings hat aktuelle Aufträge aus dem Militär- und Yachtbereich und beschäftigt weltweit 2000 Mitarbeiter gegenüber Blohm + Voss mit rund 1700 Mitarbeitern.
    Thyssen-Krupp soll die Führung bei Projekten der Deutschen Marine und der Nato-Partner behalten, Abu Dhabi MAR wäre für den Nahen Osten und Nordafrika verantwortlich. Diese planen außerdem einen Einstieg in die Bereiche Mega-Yachten, Reparatur und Schiffskomponenten von Blohm + Voss mit einem Mehrheitsanteil von jeweils 80 Prozent.
    Die IG Metall befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen, Thyssen-Krupp hofft dagegen auf Besserung der Beschäftigungslage. Der Kaufpreis ist noch nicht bekannt, ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) muss dem Deal noch zustimmen.
    Der Stahlkonzern ist seit kurzem mit etwa einer Milliarde Euro im Minus, allerdings steckt der gesamte Schiffbau durch Stornierung vieler Aufträäge in der größten Flaute seit Jahrzehnten. Fünf Werften haben bereits Insolvenz angemeldet.
 
Quelle: Süddeutsche, 16.10.2009
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/760/491130/text/

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