http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4706778
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» Taiwan «
Demokratie mit kultureller Schizophrenie
Die kleine Insel mit 23 Millionen Einwohnern und einer rund vierhundertjährigen Geschichte, die standhaft einen Machtanspruch
Pekings ablehnt, wird vor allem von Europa oft übersehen, obwohl sich Taiwan seit den ersten freien
Präsidentschaftswahlen 1996 zu einer lebendigen Demokratie entwickelt hat. Die Demokratische Fortschrittspartei der
taiwanesischen Unabhängigkeitsbewegung DPP wurde 2008 in die Opposition verdrängt, jetzt ist die eher am
"Ein-China-Prinzip" orientierte KMT an der Macht.
Die Muttersprache in Taiwan ist ein südlicher Dialekt, genannt Minnanhua, aber die meisten Taiwanesen sprechen heute auch
Hochchinesisch.
Die ersten Chinesen siedelten sich im 15. Jahrhundert auf der Insel an, 1683 wurde sie von Peking ohne direkte politische
Verwaltung annektiert, um die Zuwanderung zu kontrollieren. 200 Jahre später wurde Taiwan chinesische Provinz und nach
dem chinesisch-japanischen Krieg japanische Kolonie. Noch heute sprechen viele Senioren in Taiwan Japanisch. Nur 50 Jahre
später verlor Japan den Pazifischen Krieg und damit die Kolonien. Die Nationale Volkspartei unter Chiang Kaishek unterlag
im Bürgerkrieg gegen die Volksbefreiungsarmee und floh mit etwa 1,5 Millionen Chinesen nach Taiwan, dessen Bevölkerung
dadurch auf rund 5.5 Millionen anwuchs. Außer Soldaten und Bürokraten kamen im Zuge der Einwanderungswelle auch
viele Gelehrte und nach Taiwan. Damit war der Grundstein für die heutige moderne Wissensgesellschaft mit etwa 150 Universitäten
gelegt. Die Taiwanesen rebellierten 1947 gegen die Unterdrückung der neuen Machthaber, der Widerstand wurde brutal
niedergeschlagen, ein Ereignis, das auf immer in die taiwanesische Geschichte einging.
Die drei großen Einwanderungswellen der Inselvergangenheit brachten schließlich eine Gesellschaft hervor, die sich
vorrangig über Weiterentwicklung und kulturelles Wachstum durch verschiedenste äußere Einflüsse definiert.
Eine Ausstellung zum 60jährigen Bestehen des Neuen Taiwan im Museum für Geschichte in Taipeh soll bei der
Identitätsfindung der Taiwanesen helfen und verhärtete Fronten aufweichen. Durch Darstellung und Aufarbeitung der
wechselhaften Vergangenheit des Landes soll auch das Verhältnis zu China neu bestimmt werden. Die Initiatoren versuchen,
einer übertriebenen "Taiwanisierung" entgegen zu wirken. Es sei viel nützlicher, die positiven Errungenschaften der
chinesischen Unterdrücker gewinnbringend zum Vorteil und der Weiterentwicklung der Unterdrückten zu nutzen.
91 Prozent der Taiwaner halten China und Taiwan für zwei unabhängige Staatsgebilde, dennoch fühlen sich 80
Prozent als Chinesen, lehnen aber Pekings militärische Machtdemonstrationen ab. Sie sind stolz auf ihren Lebensstandard
und die demokratische Öffnung nach außen- eine kulturelle Schizophrenie, die aber zugleich die Chance auf einen
souveränen Pluralismus beinhaltet.
Quelle: Welt, 01.10.2009, Von Stephan Thome
http://www.welt.de/die-welt/kultur/article4691758/Im-Schatten-des-grossen-Drachen.html
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» Japan «
Der japanische Schuldenalbtraum
Sowohl die alte, als auch die neue Regierung versuchen seit den 90er Jahren erfolglos, die Wirtschaftsleistung mit vorwiegend
schuldenfinanzierten Stützungspaketen anzukurbeln. Die Wirtschaftskrise traf Japan am härtesten mit einem Einbruch
des Bruttoinlandprodukts (BIP) von über 13 Prozent.
Bisher hat Japan Schulden in Höhe von 5100 Milliarden Euro angesammelt, das sind 190 Prozent des BIP - die europäische
Richtlinie liegt bei 60 Prozent, USA und Deutschland liegen bei 70 Prozent. Über 50 Prozent der japanischen Staatsanleihen
kommen von der Notenbank, der staatlichen Rentenkasse und damit von den Bürgern, deren einst zweistellige Sparquote auf
2 Prozent gefallen ist. Bereits 23 Prozent der Haushaltsmittel müssen zur Zinstilgung herhalten und trotz des weiterhin
niedrigen Zinsniveaus kann sich Japan einen Aufschwung auch ohne staatliche Hilfsmaßnahmen kaum mehr leisten. Die dadurch
steigenden Zinsen ließe die Belastung für den Fiskus explodieren. Japans Dilemma erscheint ausweglos und die Defizite
mit Inflation zu bezahlen, wäre fatal.
Quelle: Welt, 14.10.2009, von Michael Schramm
http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article4840212
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» Arabische Welt «
Ägypten: Liberaler Großscheich schafft Gesichtschleier ab
Die höchste Autorität des sunnitischen Islam, Mohammed Sajid Tantawi, Großscheich der ägyptischen
al-Azhar-Universität und Autor eines Mammutwerks zur Auslegung des Korans, will den Gesichtsschleiers (Nikab) an
Universitäten und Schulen verbannen. Der bekannt gemäßigte islamische Rechtsgelehrte erlaubte bereits trotz
massiven Widerstands den Schwangerschaftsabbruch nach Vergewaltigung, bezeichnet Selbstmordattentäter als Feinde des
Islam und spricht sich gegen die Sitte der Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane aus. Sogar Terroranschläge gegen
Israelis lehnt er ab.
Das Tragen des Schleiers ist in Tunesien bereits verboten, in den Heiligen Stätten Saudi Arabiens allerdings Pflicht.
Die vorislamische Tradition kann vom Koran nicht belegt werden und diente einst nur dem Schutz vor Sonne und Sand.
Fundamentalistische Einflüsse Arabiens oder die Suche nach neuen einheitlichen Werten ließ erst in jüngster Zeit
das Schleiertragen wieder aufleben.
Tantawi, der auch den Ruf eines Ja-Sagers hat, wird nachgesagt, dass er mit dem Erlass wieder einmal die autoritäre Regierung
unterstützen will, die dem radikalen Islam den Kampf angesagt hat.
Quelle: Welt, 07.10.2009, Von Michael Borgstede
http://www.welt.de/politik/ausland/article4768810
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Arabien: Joint Venture mit deutscher Traditionswerft
Ein 50 zu 50 Joint Venture mit einer der führenden Schiffbauern der Golf-Region, der arabischen Abu Dhabi MAR Group soll
Thyssen- Krupps Traditionswerft Blohm + Voss aus der Auftragsflaute helfen. Der Marine-Schiffbau von Thyssen-Krupp hat seit
elf Jahren keinen Auslandsauftrag mehr erhalten, der neue Partner allerdings hat aktuelle Aufträge aus dem Militär-
und Yachtbereich und beschäftigt weltweit 2000 Mitarbeiter gegenüber Blohm + Voss mit rund 1700 Mitarbeitern.
Thyssen-Krupp soll die Führung bei Projekten der Deutschen Marine und der Nato-Partner behalten, Abu Dhabi MAR wäre
für den Nahen Osten und Nordafrika verantwortlich. Diese planen außerdem einen Einstieg in die Bereiche Mega-Yachten,
Reparatur und Schiffskomponenten von Blohm + Voss mit einem Mehrheitsanteil von jeweils 80 Prozent.
Die IG Metall befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen, Thyssen-Krupp hofft dagegen auf Besserung der
Beschäftigungslage. Der Kaufpreis ist noch nicht bekannt, ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) muss dem Deal noch zustimmen.
Der Stahlkonzern ist seit kurzem mit etwa einer Milliarde Euro im Minus, allerdings steckt der gesamte Schiffbau durch
Stornierung vieler Aufträäge in der größten Flaute seit Jahrzehnten. Fünf Werften haben bereits Insolvenz
angemeldet.
Quelle: Süddeutsche, 16.10.2009
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/760/491130/text/
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