http://www.welt.de/berlin/article5018166/8
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» Taiwan «
Chefökonom der Weltbank zitiert Mao und Engels e
Der gebürtiger Taiwanese Justin Yifu Lin, 58, floh mit 27 übers Meer nach China, studierte in Peking politische Ökonomie, promovierte an der für Marktliberalismus bekannten Universität Chicago und kehrte wieder nach China zurück. Er ist unter anderem Gründer und Direktor des chinesischen Zentrums für Wirtschaftsforschung, Professor für Ökonomie an der Uni Hongkong und seit Ende der 90er-Jahre wichtigster Wirtschaftsberater der chinesischen Führung.
Seit 2008 ist er außerdem der Chefökonom der Weltbank in Washington, der erste Chinese und Angehörige eines Schwellenlandes auf diesem Posten, den bisher nur westliche Ökonomen innehatten.
Kürzlich besuchte er zur Inspiration das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin und zitierte in seinem hochinteressanten Vortrag Mao Zedong, Engels, und Deng Xiaoping genauso wie Adam Smith.
Ihn interessiert vor allem die Ursache von Reichtum und Armut der Länder und wie unterentwickelten Ländern die ökonomische Aufholjagd gelingen kann. Dazu gehören laut Lin vor allem gut entwickelte Institutionen, ins Leben gerufen durch die Regierung als oberste Institution, die mit guten oder schlechten Ideen ökonomischen Wohlstand eines Landes erreichen kann oder nicht.
Lin könnte einen Umdenkprozess bei der Weltbank bewirken, die bisher Geld nur im Gegenzug für liberale Reformen wie Privatisierungen und Martköffnung bewilligte.
Qeulle: SZ. 16.11.2009, von Daniel Steinmaier
http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4885182/Marxwirtschaftler-aus-Taiwan.html
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» Japan «
Arbeiten bis zum Umfallen
Etwa 150 Japaner sterben jährlich an Hirnblutung, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Selbstmord am Arbeitsplatz durch Überarbeitung, die Tendenz ist durch den Druck der Rezession steigend. Das "Karoshi" genannte und seit den 60-er Jahren bekannte Phänomen wird erst seit kurzem von den Arbeitsbehörden anerkannt, deren Richtlinien für die Diagnose, und damit der Auszahlung von Hinterbliebenenrente bei 100 Überstunden pro Monat liegt. Zwei Drittel aller japanischen Männer leisten etwa 20 unbezahlte Überstunden monatlich, viele mehr, sogar im Schichtbetrieb, was zudem tragische Auswirkungen auf das Familienleben nach sich zieht.
Arbeitgeber rechtfertigen sich bisher damit, dass das Gemeinschaftswohl wichtiger als individuelle Bedürfnisse sei - eine kulturelle Eigenheit.
Eine McDonalds Filiale wurde nach dem Tod einer 41- jährigen Mitarbeiterin gerichtlich zur Nachzahlung von Überstunden verurteilt. Die Arbeitsverträge des Unternehmens enthielten außerdem widerrechtliche Formulierungen zur Rechtfertigung unbezahlter Überstunden. Klagen können sich allerdings jahrelang hinziehen.
Qeulle: SZ. 16.11.2009, von Christoph Neidhart
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/258/492613/text/
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» Malaysia «
Zu wenig Palmöl aus kontrolliertem Anbau
Palmöl, das meistverkaufte Öl der Welt, ist laut Angaben des WWF in rund 50 Prozent aller Lebensmittel in europäischen Supermärkten enthalten, und auch ein fester Bestandteil deutscher Haushalte. Ein wachsender Anteil wird zudem für die Erzeugung von Biosprit benutzt.
Ölpalmen wachsen nur in den Tropen, Malaysia und Indonesien sind Haupterzeuger mit Milliardeneinnahmen, die weltweite Produktion in 2008 betrug 40 Mio Tonnen. Greenpeace schätzt, dass in Indonesien jede Minute eine Urwaldfläche von rund fünf Fußballfeldern gerodet wird, um Ölpalm-Plantagen anzulegen.
Die meisten der größten verarbeitenden Händler und Hersteller zeigen kein Problembewusstsein, nur zehn verwenden Palmöl aus kontrolliertem Anbau.
Dazu gehören Sainsbury, Marks&Spencer, Unilever, The Body Shop, Cadbury, L'Oreal, Migros und Coop. Henkel belegte Platz 12 bei den Haushaltswarenherstellern. Aldi , Metro und andere haben auf Anfragen des WWF erst garnicht reagiert. Rewe und Edeka verwenden dagegen Alternativen wie Sonnenblumenöl.
Der erst kürzlich gegründete runde Tisch für Palmöl aus kontrolliertem Anbau (RSPO) will der Urwaldabholzung entgegenwirken.
Quelle: SZ, 02.11.2009, von Silvia Liebrich
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/293/492648/text/
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» Arabien «
Milliardenschulden durch zerstrittene Familienunternehmen
Arabische Banken gewährten bisher Firmen mit hohem Familienvermögen großzügig Kredite, da diese sehr auf ihren Ruf bedacht und Zahlungsausfälle damit undenkbar waren. Die Kreditvergabe soll allerdings drastisch gedrosselt werden aufgrund der Zahlungsunwilligkeit der Konglomerate Saad Group und Ahmad Hamad Algosaibi and Brothers (AHAB), die über 100 internationalen und heimischen Banken 15 bis 20 Milliarden Dollar schulden. Beide Familienunternehmen verweigern zudem eine Einigung mit den Banken, da sie sich gegenseitig des Milliardenbetrugs beschuldigen. AHAB behauptet, es sei um die geschätzten Schulden von 9,2 Milliarden Dollar von Saad betrogen worden, Saad streitet das ab. Die Banken sorgen sich zunehmend um die Chancen auf Schuldenrückzahlung, einige haben den Rechtsweg eingeschaltet. In Zukunft fordern Banken mehr Transparenz vor der Kreditvergabe.
Das Engagement der heimischen Banken gegenüber der Konglomerate beläuft sich laut Ratingagentur Standard & Poor's bei 10 der 30 bewerteten Banken auf über zehn Prozent des Adjusted Total Equity (ATE), welches Aktienkapital, einbehaltene Gewinne, hybride Instrumente und Genussscheine umfasst. Bei drei Banken sind es über 20 Prozent.
Die Restriktionen bei der Kreditvergabe wird hauptsächlich die bereits betroffenen kleinen und mittelständischen Firmen treffen, eine weitere Folge ist eine langsamere Erholung von der Wirtschaftskrise.
Quelle: FTD, 26.10.2009,
http://wirtschaft.t-online.de/saudi-arabien-arabisches-familiendrama-macht-banken-vorsichtig/id_20344978/
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König begnadigt Journalistin
Der 85-jährige König Abdullah von Saudi Arabien hat eine Journalistin begnadigt, die zu 60 Peitschenhieben verurteilt worden war, nachdem sie an einer von einem libanesischen Sender übertragenen Fernsehshow teilnahm, in der ein Mann über sein ausuferndes Sexleben sprach. Der Sender hätte keine Lizenz für Arabien, war die offizielle Begründung für das Urteil.
Der offenherzige Mann wurde zu 1000 Peitschenhieben und fünf Jahren Haft verdonnert.
Die Scharia, das islamische Recht in Saudi Arabien, verbietet außerehelichen Sex und Anstiftung zur Unmoral. Dieben wird immer noch eine Hand abgehackt, Mörder und Vergewaltiger werden öffentlich geköpft. Eine 19-jährige, die von sieben Männern vergewaltigt worden war, wurde allerdings zu 200 Hieben verurteilt, da sie sich mit einem Mann im Auto befand, der weder ihr Gatte noch ein Verwandter war. Auch hier sprach der König eine Begnadigung aus.
Quelle: Süddeutsche, 02.11.2009,
http://www.sueddeutsche.de/panorama/973/492331/text/
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