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Augsburg, März 2010

Inhaltsverzeichnis:

 

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» China «

Wohnungsnot bewirkt Preisexplosion
 
    Massive Landflucht und dadurch ausgelöste Wohnungsnot lässt Chinas Immobilienpreise explodieren. Der Staat als Bodenbesitzer müsste in Zukunft lediglich Bauland zu vernünftigen Preisen abgeben, und als Gegenleistung den Bau bezahlbarer Wohnungen fordern.
    Im letzten Jahr belief sich jedoch das Gesamtgeschäft mit Wohnungen mit mehr als 600 Mrd. Euro auf über ein Fünftel des BIP, womit Chinas Wirtschaft extrem vom Immobiliengewerbe abhängig ist. Mit dem Verkauf von 200.000 Hektar Boden wurden über 175 Mrd. Euro umgesetzt, die Wohnungspreise auf Pachtland verteuerten sich in 70 Großstädten um ein Drittel.
    Die Landflucht unzähliger Chinesen löste maßlose Gier aus und damit Immobilienspekulation, Korruption und unbezahlbare Kredite. Je nach Innenstadtnähe kostet der Quadratmeter in Peking zwischen 2200 und 7000 Euro, mehr als in Tokio mit wesentlich höheren Gehältern. Mit dem Kauf winziger Parzellen oder auch "Schneckenhäusern" verschulden sich junge Wohnungskäufer auf Jahrzehnte oder gar lebenslang. Wohnungseigentum ist bereits für 85% der Chinesen, inklusive der Mittelschicht unbezahlbar. Regierungschef Wen Jiabao wuchs mit einer fünfköpfigen Familie in einem "Schneckenhaus" von neun Quadratmetern auf.
    Die Entwicklung hin zu einer Gesellschaft mit einer Minderheit von Millionären, die durch Spekulation und Korruption reich wurden, einer riesigen Gruppe Mittelloser und einer kleinen unzufriedenen Mittelschicht gefährdet jede gesellschaftliche Stabilität. Dazu kommen in Großstädten jährlich etwa 6,3 Mio. Jungakademiker, die keine oder nur unterbezahlte Arbeit finden und in billigen Mietburgen, den "Ameisenbauten" wohnen müssen.
 
Quelle: Welt, 09.03.2010, von Johnny Erling
http://www.welt.de/finanzen/article6693114/Chinesen-koennen-sich-kein-Wohneigentumleisten.html

 

Geplanter Export von High-Speed Eisenbahnen
 
    Der Transrapid von Thyssen-Krupp und Siemens, deutsch-chinesisches Jahrhundertprojekt von 2002 mit Flughafenanbindung an Shanghai, ist veraltet. Die Hoffnung der deutschen Hersteller auf den Bau der Peking-Shanghai Trasse hat sich erledigt. China entwickelte und testete eigene High-Speed Eisenbahnen, deren Technologie führende Exportnationen wie Deutschland, Japan und Frankreich überflügelt habe.
    Dieses gröößte Konjunktur- und Beschäftigungsprogramm schuf allein auf der 1000 km langen Strecke Wuhan-Kanton 150.000 Arbeitsplätze. 6552 km High-Speed Strecken (ab Tempo 200km) verbindet bereits Chinas Städte, ein Viertel davon für Tempo 350 km. Etwa 90 Mrd. Euro sieht der Staatshaushalt 2010 für den weiteren Ausbau vor. 2011 soll die 1318 km lange Strecke Peking-Shanghai fertig werden, Reisedauer statt zehn nur vier Stunden. Bis 2012 sind 13.000 km Hochgeschwindigkeitstrassen geplant, 2020 sollen es 16.000 km sein. Ein Verbindungsgitter wird dann mit jeweils vier Nord-Süd und Ost-West Korridoren 90 Prozent aller Städte erfassen, wo bis dahin 60 Prozent der Bevölkerung leben werden.
    Kritiker meinen, China habe einfach die Technologie des deutschen ICE und des französischen TGV Systems kopiert, da seit 2004 internationale Konzerne mit chinesischen Bahnherstellern Kooperationen zum Technologietransfer eingingen. Unklar bleibt, ob diese auch zur Weiterentwicklung der Systeme und internationalen Vermarktung der Züge berechtigt waren. China hat 946 Patente angemeldet, die bisher auch auf internationaler Ebene nicht angefochten wurden.
    Nach Präsident Obamas angekündigten acht Mrd. US-Dollar zum Bau von Hochgeschwindigkeitstrassen in Kalifornien, Illinois und Florida, will sich China und auch Siemens an den Bahn-Ausschreibungen beteiligen.
    Pekings Exportoffensive umfasst außerdem High-Speed Bahnprojekte in Venezuela und der Türkei. Auch Indien, Saudi-Arabien und Polen haben bereits Interesse gezeigt.
 
Quelle: Welt, 16.03.2010, Von Johnny Erling
http://www.welt.de/wirtschaft/article6799212/China-exportiert-seine-Highspeed-Eisenbahnen.html

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Annäherung von Küste und Provinzen
 
    Trotz Chinas 30-jährigem rasantem Wirtschaftswachstum ist der Unterschied zwischen reichen Küstenregionen und armen Hinterland-Provinzen noch extrem groß. Dennoch liegt die Wirtschaftsleistung im Nordosten bereits 15-mal, an der Küste etwa 35-mal höher als 1979, wenn auch das BIP im reichen Shanghai immer noch 8,5-mal größer als im ärmsten Gebiet Gizhou ist. Der Konsum von Privathaushalten in armen Gebieten wächst im Gegensatz zu früheren Jahren schneller, während er sich in den reichen Regionen verlangsamt.
    Peking will die in Küstenregionen dominierende Exportindustrie verstärkt ins Landesinnere verschieben und die Küste mehr auf High-Tech spezialisieren. Ausländische Direktinvestitionen werden bereits deutlich in die nördlichen Provinzen verlagert.
    Auf einer interaktiven Internetseite der Deutschen Bank sind die Ergebnisse einer Studie über regionale Unterschiede und zur jährlichen Entwicklung seit 1995 dargestellt, mit interessanten Daten zu verschiedensten Aspekten. Wer es ausprobieren möchte, bitte die untere Webadresse besuchen. (http://www.dbresearch.de/PROD/DBR_INTERNET_DE-PROD/CHINA_CHARTBOOKS.alias)
 
Quelle: Welt, 02.03.2010, Von Frank Stocker
http://www.welt.de/debatte/weblogs/Rote-Kapitalisten/article6608609/Chinas-Hinterland-holtauf.html

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Wachstumsqualität statt Quantität
 
    Das enorme Haushaltsdefizit Chinas, verursacht durch Konjunkturpakete und geringe Staatseinnahmen, hat mit etwa 113 Mrd. Euro seit der Republikgründung vor 60 Jahren Rekordhöhe erreicht.
    Die Kommission für Reform und Entwicklung warnte bei der Plenarsitzung des Volkskongresses vor der Jagd nach Wachstum um jeden Preis und forderte Veränderungen der Wirtschaftsstruktur sowie eine verbesserte Wachstumsqualität.
    Regierungschef Wen Jiabao gab als diesjähriges Wachstumsziel 8 % vor im Gegensatz zu 8,7 % 2009.
    Die Grundlage für Chinas Wirtschaftserholung ist noch schwach, obwohl das Defizit mit etwa 2,8 % des BIP unter der kritischen Grenze von 3% liegt.
    Ausgaben für den Bereich "Bildung, Gesundheitswesen, soziale Sicherheit, Beschäftigung, Wohnungen für Niedrigverdiener und Kultur" sollen um 8,8% auf 87 Mrd. Euro, für Bauern und Landwirtschaft um 12,8% auf 10 Mrd. Euro und für Umweltschutz um 22,7% auf 15,2 Mrd. Euro erhöht werden.
    Für das Militär ist der niedrigste Anstieg seit 20 Jahren mit nur 7,5% oder 55,9 Mrd. Euro, für den Sektor öffentliche Sicherheit 8% oder 14,9 Euro mehr als 2009 vorgesehen.
    Die Ausgaben der Zentral- und Lokalregierungen werden im Haushalt 2010 mit 11,4% nur noch halb so stark wachsen wie im Vorjahr.
 
Quelle: Süddeutsche, 05.03.2010
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/914/505120/text/

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Chinesische Verbraucher protestieren
 
    Über 170 chinesische Käufer der Notebooks des US Konzerns Hewlett-Packard reichten bei der staatlichen, chinesischen Aufsichtsbehörde eine Massenklage ein mit der Forderung nach Rückruf durch Peking.
    Die beim Zulieferer bekannten Probleme mit Überhitzung und defekten Bildschirmen liegen in fehlerhaften Grafikkarten von Nvidia. HP, bekannt für unzuverlässige Notebooks, verlängerte daraufhin die Garantiezeit der seit 2007 verkauften Geräte für die USA, wodurch sich chinesische Kunden diskriminiert fühlen. Dieser erste Massenprotest chinesischer Verbraucher wird als Zeichen wachsender Emanzipation gewertet.
 
Quelle: Welt. 10.03.2010,
http://www.welt.de/webwelt/article6718699/Chinesen-wollen-HP-zu-Notebook-Rueckrufzwingen.Html

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Bestechung bis ins Grab
 
    Konfuzius lehrte dem Volk das Recht auf Revolution, wenn Herrscher dem Interesse des Allgemeinwohls zuwiderhandeln. Aus Furcht vor Volkszorn und internationaler Rufschädigung schuf Peking jetzt einen 52 Regeln umfassenden Verhaltenskodex für Beamte, von denen allein letztes Jahr 106.000 wegen Korruption verurteilt wurden.
    Der reformierte Moralkodex für Beamte beinhaltet banale Grundregeln wie das Verbot der Annahme von Bestechungsgeldern, Zuwendungen durch "Vetternwirtschaft" und Selbstbedienung aus öffentlichen Kassen, z. B. für Freizeitgestaltung, Auslandsreisen oder Autos. Beliebt ist auch die Verwendung illegaler Gelder zur Finanzierung teurer Auslandsstudien der Kinder - eine Ausgabe, deren Quelle zukünftig vor dem Anti-Korruptions-Ausschuss des Zentralkomitees erklärt werden muss.
    In China werden ohne Bestechung, Urkundenfälschung oder Nötigung keinerlei Projekte realisiert, tausende korrupter Funktionäre flohen bereits aus dem Land, der wirtschaftliche Schaden zwischen 1978 und 2003 wird auf 50 Mrd. Dollar geschätzt.
    Als abschreckendes Beispiel wurde für den Chef eines Ölriesen die Todesstrafe verhängt, was wohl in lebenslange Haft verwandelt wird.
    In China, einem der korruptesten Länder der Welt, wird Verstorbenen ein Sack Spielgeld mitgegeben - zur Bestechung der Beamten in der Unterwelt.
 
Quelle: Welt. 25.02.2010, von Dietrich Alexander
http://www.welt.de/die-welt/poliik/article6550013/Peking-verordnet-der-Partei-neuen-Verhaltenskodex.html

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Boom bei Badarmaturen
 
    Der größte chinesische Badarmaturenhersteller Joyou, seit über 20 Jahren als Produzent für andere Sanitärunternehmen auf dem Markt in Europa, den USA und Asien, ist erst seit drei Jahren Hersteller unter eigener Marke mit 2500 Mitarbeitern.
    Aus über 2500 Verkaufstellen sollen 4500 bis 2013 werden. Der Umsatz erhöhte sich in zwei Jahren von 44,9 Mio. auf 172,3 Mio., 80 % stammt aus China. Hauptgrund ist die dort steigende Nachfrage durch rapides Städtewachstum und Wohnungen.
    Als viertes, chinesisches Unternehmen nach den Unternehmen ZhongDe (Müllverbrennungsanlagen), Asian Bamboo (Bambusproduktion) und Vtion (Telekommunikation) will Joyou nun an die Frankfurter Börse, trotz wechselnder Erfolgsbilanz der China-Aktien. Asian Bamboo und Vtion legten zu, der Kurs von ZhongDe fiel fast auf die Hälfte. Joyou setzt auf den Ruf deutscher Qualität bei chinesischen Kunden durch ein Listing in Frankfurt.
    Mit dem Börsengang will Joyou die Expansion in China finanzieren und in Zusammenarbeit mit der deutschen Grohe AG unter gemeinsamer Marke 500 Läden betreiben. Grohe will dafür Joyou Produkte in Russland, Brasilien und Indien vertreiben.
 
Quelle: Welt. 12.03.2010, von Karsten Seibel
http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article6738617/Wasserhahnhersteller-aus-China-will-in-Frankfurt-an-die-Boerse.html

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» Südkorea «

Autohersteller überholen Japans Prestigefirmen
 
    Japanische Autohersteller werden von koreanischen Unternehmen wie Kia und Hyundai eingeholt oder gar überflügelt, da sie außer des Hybridantriebs nicht mit echtem Hightech umgehen können und Innovationen scheuen. Die Autos sind zudem teurer und technologisch zu schlicht. Zunehmende Qualitätsmängel wie Toyotas Gaspedalproblem und Hondas defekte Fensterheber lassen die koreanische Konkurrenz aufholen. Hyundai und Tochter Kia konnten den Fahrzeugabsatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln, die Aktienkurse stiegen rasant.
    Japan verlagert die Herstellung immer mehr in Billiglohnländer um konkurrenzfähig zu bleiben und den durch den starken Yen verursachten, hohen Nettoverlust abzufangen.
    Andere Unternehmen wie Subaru und Daihatsu, spezialisiert auf Kleinwagen oder Allradantrieb, sind von der Krise weniger betroffen.
 
Qeulle: FTD. 03.02.2010, von Margret Hucko
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:fernost-duell-koreas-autobauer-fuehren-rivalen-aus-japan-vor/50068951.html

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» Indonesien «

Schlachtfeld Internet für Aktivisten
 
    Indonesiens Massenproteste gegen Korruption im Rechtswesen und die Forderung nach Abdankung des staatlichen Polizeichefs sowie des Justizministers werden nicht mehr am Kreisverkehr vor dem Hotel Indonesia sondern per Internet in Facebook und anderen Foren ausgetragen.
    Über 1 Million Aktivisten beteiligten sich an jüngsten Protesten, als durchsickerte, dass Mitglieder im Polizeiapparat und Justizministerium anhand gefälschter Beweise zwei Führer des unabhängigen Anti-Korruptions-Komittees der Bestechung beschuldigten und verhaften ließen. Ein enorme Flut wutentbrannter Internet-Beiträge veranlasste Präsident Yudhoyono zur Bildung eines Sonder-Untersuchungsausschusses, der die Beweisfälschung bestätigte. Im Dezember wurde außerdem eine offizielle Mafia-Bekämpfungs-Sonderkommission ernannt zur Aufdeckung von Korruption im Rechtswesen.
    Auf der Webseite Inside Facebook ist Indonesien mit 8,5 Mio. registrierten Nutzern mittlerweile die siebtgrößte Gemeinde. Das Internet ist für Indonesier zum Schlachtfeld für politische Meinungsäußerung geworden, da die Pressefreiheit im Land ungleich in Malaysia oder Singapur bei Internetprotesten prompt für Schlagzeilen in allen Medien sorgt.
    Eine kürzlich wegen Verleumdung verhaftete Hausfrau, die Freunden über schlechte medizinische Behandlung im Krankenhaus mailte, wurde nach einer Protestwelle im Internet auf Berufung freigelassen. Freiwillige Spenden übertrafen das verhängte Bußgeld bei weitem. 2014 wird mit 74 Mio. indonesischen Internetnutzern gerechnet.
    Der Kreisverkehr vor dem Hotel dient nur noch vereinzelten Gruppen wie Studenten und Umweltschützern als kleine Bühne für öffentliche Proteste.
 
Quelle: FTD, 10.02.2010, von Joe Cochrane
http://www.ftd.de/karriere-management/business-english/:business-english-indonesians-take-protests-off-the-streets/50071348.html

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» Arabische Welt «

Zulassung weiblicher Anwälte
 
    Für Familienrechtsfragen wie Scheidung oder Unterhaltsklagen sollen neuerdings auch Frauen als Anwälte zugelassen werden. Der Justizminister will nun spezielle Gerichte bilden, da durch die strikte Geschlechtertrennung in herkömmlichen Gerichten nur Männer als Richter auftreten.
 
Quelle: Welt, 22.02.2010
http://www.welt.de/die-welt/politik/article6498913/Justizreform-Frauen-duerfen-als-Anwaeltevor-Gericht.html

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