HJ-Newsletters

Augsburg, Juli 2010

Inhaltsverzeichnis:

 

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» China «

Chinesische Reisewelle erfasst Deutschland
 
    Bis 2003 durften Chinesen außerhalb Asiens nur nach Ägypten und die Türkei reisen, aber nach der Lockerung der Reisevorschriften für Privatreisende können sie nun in weltweit über 100 Ländern Urlaub machen und die Touristenzahl wuchs von sieben Mio auf 42,2 Mio im Jahr 2009. Trotz Wirtschaftskrise können sich immer mehr Chinesen eine Reise leisten, die Ausgaben stiegen seit 2008 um 16% auf 42 Mrd. Dollar. Außer Hongkong und Macau wird auch Europa aufgrund des sehr günstigen Euro-Wechselkurses immer beliebter, denn dort kosten Luxusartikel bis zu 30% weniger als zuhause, und die Mehrwertsteuer wird am Zoll zurückerstattet.
    Chinesen sind gern in Gruppen unterwegs und begeisterte Shopper- bevorzugt werden Schmuck, Taschen und alle Markenartikel. Die chinesische Kreditkarte China-Unionpay ist in den meisten großen Geschäften freigeschaltet, interkulturelle Schulungen bereiten auf das neue Klientel vor, chinesischsprachiges Personal ist gepant. Chinesen geben ihr Reisebudget am liebsten beim Einkaufen aus, sie sparen bei Unterkunft und Restaurantbesuchen. Das könnte sich schnell ändern.
    Noch verbringen Chinesen den Privaturlaub meist in Italien oder Frankreich. 2009 waren 35% der 400.000 chinesischen Deutschlandreisenden auf Dienstreise und hängten am Ende nur einen Kurzurlaub an. Doch der Trend zu Vergnügungsreisen nach Deutschland wächst. Die chinesische Fluggesellschaft Hainan-Airlines fliegt Berlin viermal wööchentlich direkt an, chinesische Reiseveranstalter bereisen Deutschland, um sich kundig zu machen. In den nächsten fünf Jahren wird mit 40% mehr chinesischen Touristen gerechnet.
 
Quelle: FTD, 11.07.2010, von Christiane von Hardenberg
http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:tourismus-chinesen-stuermen-deutschland/50142766.html

 

Renminbi soll an Einfluss gewinnen
 
    China, ein Gegner der Abhängigkeit des Welthandels vom Dollar, treibt die Etablierung des chinesischen Renminbi als internationale Abrechnungswährung voran, indem es seit Dezember 2008 Devisentauschgeschäfte mit Südkorea, Malaysia, Indonesien, Hongkong, Weißrussland und Argentinien abschloss.
    Jetzt hat China auch der isländischen Zentralbank im Zuge der Wiederbelebung der Wirtschaft unter die Arme gegriffen. Die Swaplinie hat ein Volumen von 428 Mio Euro, soll auf drei Jahre mit Verlängerungsoption laufen und versorgt damit heimische Importeure chinesischer Produkte mit Renminbi, um Rechnungen zu bezahlen.
    Das Abkommen schafft zusätzliche Liquidität für Island, deren strenge Kapitalsverkehrskontrollen zur Vermeidung massiver Abflüsse langsam gelockert werden sollen. Nach dem Zusammenbruch der wichtigsten Banken stützte der IWF, die EU und skandinavische Länder Island mit 4,6Mrd.$. Die Wirtschaft erholt sich nur langsam, das BIP steigt geringfüügig.
    Chinas Abkommen mit Island hat im Vergleich zu sechs vorher abgeschlossenen Geschäften über 650 Mrd. Yuan nur ein kleines Volumen.
 
Quelle: FTD, 09.06.2010 von Christine Mai
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:werbung-fuer-renminbi-china-hilft-island-mit-liquiditaetsspritze/50124899.html

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» Japan «

Wählerkriterien "Politik und Geld"
 
    Wenn hochgrangige Politiker in anderen Ländern wie den USA oder Italien in Skandale verwickelt sind, gehört das schon fast zum Alltag und kostet sie nicht unbedingt das Amt. In Japan hingegen sorgt eine seit den 70er Jahren geschaffene Tradition dafür, dass innerhalb von vier Jahren bereits vier Premierminister abdankten.
    Damals hatten die schwachen Oppositionsparteien gegenüber der herrschenden Monopolpartei fast keine andere Waffe sich öffentlich Gehör zu verschaffen als die Aufdeckung von Skandalen. Den letzten Premier Hatoyama brachten nicht deklarierte Wahlkampfspenden ins Gerede, obwohl sie von seiner Mutter stammten. Die Entscheidung der Verlegung des US-Stützpunktes Futenma gab endgültig den Ausschlag für seinen Rücktritt.
    Zur Zeit ist das dringenste Ziel eine saubere Demokratische Partei - wichtigste Kriterien für japanische Wähler sind "Politik und Geld", Gesetzesrevisionen zu Spenden- und Bestechungsaffären sind hochkompliziert und fast auf jeden anwendbar.
    Die Besessenheit, Finanzskandale aufzudecken könnte von der Dringlichkeit ablenken, eine Lösung der Finanzkrise und der Überschuldung zu finden und durch eine neue Außenpolitik politische Stabilität zu schaffen.
 
Quelle: Newsbento, 05.06.2010,
http://www.newsbento.ch/2010/06/suchtig-nach-skandalen/

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Auslandsstudium weniger gefragt
 
    Studien zeigen, dass immer weniger japanische Studenten im Ausland studieren möchten, den stärksten Rückgang verzeichnet die USA. 2008 gab es dort nur noch 60% der Studentenzahl von 1997. Die meisten Auslandsstudenten kommen in den USA mittlerweile aus Indien, China und Südkorea. Dieser unter anderem durch höhere Studiengebühren, schwierige Stellensuche und das Internet beeinflusste Trend könnte zu einer Abnahme von Japans Präsenz und Wettbewerbsfähigkeit führen.
 
Quelle: Newsbento, 09.06.2010
http://www.newsbento.ch/2010/06/keine-lust-auf-ausland/

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Taschengeld ist mehr wert
 
    Die höchsten Ausgabeposten beim Taschengeld eines japanischen Angestellten, das durchschnittlich mit etwa 365 Euro weniger als im Vorjahr beträgt, sind Mittagessen, Unterhaltung und Trinken. Eine landesweite Erhebung bei 1000 Beteiligten zwischen 20 und 50 Jahren ergab, dass das Budget für Mittagessen sank und auch füür Trinken weniger ausgegeben wird. In bestimmten Regionen sank der gesamte Taschengeldbetrag ebenfalls, in und um Tokio war ein leichter Anstieg zu verzeichnen.
 
Quelle: Newsbento, 14.06.2010,
http://www.newsbento.ch/index.php?s=500+Yen+für+ein+Mittagessen+

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» Südkorea «

Kluges Maßnahmepaket sorgt für Wachstum
 
    Die viertgrößte, asiatische Volkswirtschaft Südkorea hat sich von allen OECD-Ländern am schnellsten von der Rezession erholt, man erwartet für 2010 ein Wirtschaftswachstum von etwa sechs Prozent. Die Arbeitslosenrate sank auf erstaunliche 3,2 Prozent, das Ziel der Vollbeschäftigung scheint greifbar nahe.
    Perfekt abgestimmte Regierungsmaßnahmen gegen den Abschwung beinhalteten eine reale Währungsabwertung von 25 Prozent, das Fiskalpaket betrug 6,1 Prozent des BIP. Das Haushaltsdefizit lag 2009 nur bei 1,8 Prozent des BIP und derzeit beträgt die Gesamtverschuldung lediglich 35 Prozent. Zudem geht fast ein Drittel des Exports nach China. Die Zentralbank senkte im Februar 2009 die Leitzinsen um 3,5 Prozentpunkte auf immer noch bestehende zwei Prozent, mit einer Anhebung um 0,5 Prozentpunkte im 3. Quartal 2010 wird gerechnet, da mit dem starken Arbeitsmarkt auch die Löhne steigen werden.
    Trotz der positiven Lage wird vor dem Abfluss ausländischen Kapitals durch den Nord- Südkonflikt sowie dem Zustand des Gesundheitssystems gewarnt. Die Geburtenrate ist mit 1,15 Geburten pro Frau die niedrigste weltweit, die Lebenserwartung stieg auf 79 Jahre. Der resultierende Abnahme erwerbsfähiger Arbeitskräfte und der Druck auf Kranken-und Rentenversicherung ließ die Gesundheitsausgaben in den zweistelligen Bereich wachsen. Zusätzliche Reformen zur Sicherung der Wirtschaft seien laut OECD unabdingbar.
 
Quelle: FTD, 20.07.2010,
www.ftd.de/politik/konjunktur/:dank-staatsstuetze-suedkorea-boomt-wieder/50128919

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"Vier-Flüsse-Projekt" heftig umstritten
 
    Südkoreas Präsident Lee Myung-bak verlor die Regionalwahlen nicht zuletzt aufgrund der negativen Einstellung eines Großteils der Bevölkerung zu seinem "Vier-Flüsse" Megaprojekt, welches die vier wichtigsten Flüsse kanalisieren und mit zehn Staudämmen versehen soll. Dadurch würde laut Lee die Wasserversorgung reguliert, und die Region vor Hochwasser geschützt. Das Unternehmen soll über 15 Milliarden Euro kosten und etwa 340.000 Arbeitsplätze schaffen - etwa ein Fünftel des Projekts ist bereits verwirklicht.
    Umweltschützer warnen dagegen vor einer Katastrophe. Eine Klage auf Baustopp wurde abgewiesen. Dennoch will Lee jetzt angeblich mehr Diskussionen zulassen und andere Meinungen hören. Aber als ehemaliger Geschäftsführer des Konzerns Hyundai liebt Lee Riesenprojekte, auch wenn in anderen Teilen der Welt ein Trend zur Renaturierung von Flussbetten vorherrscht.
 
Quelle: Süddeutsche, 17.06.2010. von Petra Kolonko

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» Indien «

Umstrittenes ID-Projekt
 
    Im Zuge der aktuellen Volkszählung will die indische Regierung das Langzeitprojekt unverwechselbarer ID-Nummern für mindestens die Hälfte der 1,2 Milliarden Einwohner starten. Bisher gibt es weder Geburtsurkunde, Schulzeugnis noch Meldebestätigung, daher ist die Bankkonteneröffnung, Beantragung von Sozialleistungen oder ein Vertragsabschluss kompliziert. Es müssen unzählige Dokumente vorgelegt werden wie z.B. notariell beglaubigter Mietvertrag, eine Bezugsberechtigungskarte für Kochgas, die aktuelle Stromrechnung und Passbilder. Missbrauch durch Korruption wie bei der Ausgabe subventionierter Lebensmittel ist treibt wilde Blüten.
    Die neuen ID-Nummern werden mit Foto, Fingerabdrücken und Augenscans erstellt. Die Beantragung ist freiwillig, da die Bürger die Vorteile selbst erkennen sollen wie z.B. der vereinfachte Weg zu Sozialleistungen. Ein Gesetz könnte der bereits maßlosen Korruption weiteren Nachschub liefern, wird argumentiert.
    Bürgerrechtler befürchten dagegen eine Entwicklung zum Überwachungsstaat in einem Land, wo Polizei und Sicherheitsdienste bereits fast unbeschränkte Befugnisse haben. Staatliche Behörden beschwichtigen, IDs seien nur ein Weg zur Identitätsbestätigung. Bislang gibt es aber weder ein Budget für das Riesenprojekt noch ein Datenzentrum. Der Weg zur Ausstattung aller örtlichen Behöörden mit entsprechenden Geräten ist noch weit.
 
Quelle: FTD, 20.07.2010
www.ftd.de/politik/international/:unverwechselbare-i-ds-jedem-inder-seine-nummer/50145875

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Heirat außßerhalb der Kaste?
 
    In Indien bestimmen auch heute meist die Eltern, wen ihre Kinder heiraten sollen. Die wichtigsten Kriterien bei der Partnerwahl sind passender sozialer Status, Bildungsgrad und weiterhin die Kastenzugehörigkeit. Eine Ehe zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kasten ist möglich, aber sehr selten.
    Bei Zuwiderhandlungen greift das Familienoberhaupt auch gewaltsam durch, was durchaus zum Mord führen kann. Diese sogenannten "Ehrenmorde" oder der Einsatz körperlicher Gewalt, von den Tätern nur selten bereut, werden als "Familienangelegenheit" betrachtet, und Außenstehende mischen sich daher kaum ein.
    Erst kürzlich folterte und tötete der Onkel einer jungen Frau ihren Freund und sie selbst, weil sie den den von den Eltern bestimmten Mann ablehnte und sich weiterhin mit dem kastenniedrigeren Geliebten traf.
 
Quelle: Süddeutsche, 20.07.2010, von Tobias Matern
www.sueddeutsche.de/panorama/2.220/indien-bis-der-tod-sie-scheidet-1.961429

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» Arabische Länder «

Abu Dhabi: Geplante Chipproduktion in der Wüste
 
    Künftig werden sich nur noch die größten Chiphersteller Intel, Samsung und Toshiba die Eigenproduktion leisten können, andere müssen die Herstellung an Auftragsfertiger, die Foundries, auslagern, deren weltweiter Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 40% auf 24,82 Mrd.$ steigen könnte. Die größten Foundries sind TSMC und UMC aus Singapur sowie Globalfoundries, letztere mit dem Hauptinvestor Abu Dhabi, das am Standort Dresden weitere 1,3 Mrd. Euro investieren wird. Eine angestrebte Produktionssteigerung von Wafern, Siliziumscheiben zur Chipproduktion, auf 80.000 pro Monat in Dresden hängt weltweit vom Einsatz von Spitzentechnologien und Kapazitätsgröße ab.
    Die arabische Investmentgesellschaft Atic, die Ende letzten Jahres den unrentablen Auftragsfertiger Chartered Semiconductor aus Singapur mit dem neuen Dresdner Chipproduzent fusionierte, will bis 2012 in New York einen dritten Standort schaffen. Abu Dhabi plant zudem einen rund drei km² großen, eigenen Chipstandort in der arabischen Wüste.
 
Quelle: FTD, 20.07.2010,
http://www.ftd.de/it-medien/it-telekommunikation/:investition-in-globalfoundries-abu-dhabi-pumpt-mehr-geld-in-dresdner-chipfertigung/50121213.html

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