HJ-Newsletters

Augsburg, Augsut 2010

Inhaltsverzeichnis:

 

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» China «

Zweitgrößte Wirtschaftsmacht wider Willen
 
    China hat sich jetzt zum Leidwesen seiner Regierung zur zweitgrößten Volkswirtsschaft der Welt gemausert und im 2. Quartal mit seiner Wirtschaftsleistung und einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1330 Mrd. Dollar Japan mit nur etwa 1280 Mrd. Dollar übertroffen. Die Wachstumsraten liegen bei circa 10%, in Japan nur bei 0,1%, dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen.     Trotzdem leben laut Sprecher des Wirtschaftsministeriums mehr als 40 Mio der 1,3 Mrd. Chinesen unter der Armutsgrenze, nach der UN-Definition sind es sogar 150 Mio. Damit liegt das Land noch hinter Jamaika, Angola oder Albanien. Das BIP pro Kpf liegt laut IWF bei knapp 3700 Dollar, 10 Mal niedriger als z.B. in Japan. Das große Wohlstandsgefälle zwischen dem aufstrebenden Osten und dem armen, ländlichen Westen diente Peking bisher immer als Entschuldigung, dass China ein Entwicklungsland sei, das erst noch die Lebensbedingungen seiner Menschen verbessern müsse. Dies war bisher auch ein Hauptargument gegen verpflichtende Klimaschutzziele. China hat jedoch in den letzten Jahren Deutschland als Exportweltmeister überholt, verfügt über den weltgrößten Automarkt sowie die größte Stahlproduktion. Chinas Energiebedarf ist mittlerweile eine Haupttriebkraft der Weltwirtschaft und auch im Rahmen der internationalen Politik spielt China bereits ganz vorne mit.     Es dürfte für Peking immer schwieriger werden, den eigenwilligen Kurs bei der Behandlung ausländischer Investoren und der Währungspolitik weiter zu verfolgen. Eine kürzliche, moderate Aufwertung des Renminbi war allerdings noch keine Freigabe des Wechselkurses.     Deutschland hat jetzt die Entwicklungshilfe für China von jährlich 70 Mio Euro für technische Zusammenarbeit aufgrund fehlender Voraussetzungen eingestellt.     Deutschlands BIP pro Kopf lag 2009 bei 41.000 Dollar und damit welt weit auf Rang 16. Ganz vorne rangieren Luxemburg, Norwegen, Katar, die Schweiz und Dänemark.
 
Quelle: FTD, 19.08.2010, von Kai Beller
http://www.ftd.de/politik/international/:ueberholmanoever-china-macht-sich-klein/50157709.html

 

Vorsichtige Währungsreformen
 
    Peking ermöglicht jetzt ausländischen Investoren, chinesische Anleihen zu kaufen und öffnet ausländischen Finanzinstituten den Bondmarkt . Damit soll die Verwendung des Renminbi bei Handelsgeschäften ausgebaut werden, um ihn als internationale Abrechungswährung zu etablieren und die Abhängigkeit des Welthandels vom Dollar zu verringern.     Seit Juni hat China weltweit und in 20 lokalen Provinzen und Stadtverwaltungen die Möglichkeit grenzüberscheitender Handelsgeschäfte mit der Abrechung in Renminbi etabliert.     Es wurden Vereinbarungen zu Devisentauschgeschäften mit sieben Staaten getroffen, darunter Argentienien, Südkorea und Indonesien. Das Volumen der Swaplinien beträgt etwa 91,6 Mrd. Euro. Damit können die Zentralbanken heimischen Unternehmen Renminbi anbieten und Importeure können Rechnungen in chinesischer Währung bezahlen.     Ausländisches Geld fließt bisher hauptsächlich über den Handelsweg zurück nach China, Kapitalverkehrskontrollen verhindern spekulative Zuflüsse. Für Unternehmen auf dem Festland sind Fremdkapitalaufnahmen teurer als in Hongkong.     Um einen hochentwickelten Kapitalmarkt zu etablieren, können drei Typen von Geldinstituten überschüssige Yuan in den Interbankenbondmarkt Chinas investieren: Abwicklungsbanken für den Renminbi ansässig in Hongkong und Macau, ausländische Zentralbanken mit einer Vereinbarung mit China über Devisentauschgeschäfte, und internationale Banken, die grenzübergreifende Handelsgeschäfte in Yuan abwickeln.     Chinesische Staatsanleihen mit 3-10 Jahren Laufzeit rentieren zur Zeit bei 2,32 bzw. 3,25%, Hongkonger Banken bieten auf Yuan-Einlagen nur 1,5- 2%. Damit werden andere Akteure, die im chinesischen Bondmarkt investieren dürfen, ihre Yuan-Bestände wohl in Hongkong bündeln und das Offshore-Zentrum für den Renminbi noch attraktiver machen.     Seit China die Dollaranbindung des Renminbi im Juni aufgab, wertete die Währung um 0,5 Prozent auf. Peking steht der zunehmenden Staatsverschuldung der USA kritisch gegenüber, der chinesische Bestand an langfristigen amerikanischen Staatspapieren fiel um 21,2 Mrd. auf 839,7 Mrd. Dollar und damit um elf Prozent. Damit könnte das Zinsniveau in den USA steigen, was für Haushalte und Unternehmen höhere Refinanzierungskosten bedeuten wüürde.     Chinas will mit Devisenreserven von etwa 2450 Mrd. Dollar verstärkt europäische Anleihen oder Vermögenswerte kaufen. Diversifikation bleibt aber ein wichtiges Prinzip. Das riesige Volumen an liquiden Mitteln (Geldmenge M2) könnte dieses Jahr bei umgerechnet etwa 7575 Mrd. Euro liegen, knapp ein vierfaches der Währungsreserven. Die Abschaffung von Kapitalverkehrskontrollen geschieht daher nur langsam, um einen Abzug des chinesischen Kapitals ins Ausland und damit eine Destabilisation des Bankensystems zu verhindern.     Dennoch dürfen jetzt lizenzierte heimische Banken Renminbi Einlagen offshore in Fremdwährungen tauschen und in ausländischen Vermögenswerten anlegen. Ein weiterer Schritt ist das die langsame Öffnung Chinas für "PandaBonds", in Yuan denominierte Anleihen ausländischer Firmen.
 
Quelle: FTD, 19.08.2010 von Christine Mai und Tobias Bayer
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:waehrungs-marketing-wie-sich-china-seine-leitwaehrung-bastelt/50158287.html http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:debatte-um-leitwaehrung-china-poliert-renminbi-auf-internationalen-hochglanz/50157813.html

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» Taiwan «

Schlagzeilen bewirken Umdenken bei Foxconn
 
    Der größte Auftragsproduzent weltweit, Elektronikhersteller Foxconn, bei dem Konzerne wie Sony, Dell, Hewlett-Packard und Apple kostengünstig Trendprodukte fertigen lassen, unter anderem das iPad und iPhone, ist wieder in die Schlagzeilen geraten.     Im indischen Chennai wurde vorübergehend eine Fabrik geschlossen, als die Belegschaft nach dem routinemäßigen Einsatz von Pestiziden ins Krankenhaus eingeliefert wurde.     Die Selbstmordserie bei Foxconn im südchinesischen Shenzen ist anscheinend vorbei. Als Gründe wurden niedrige Löhne, militaristischer Managementstil und die extreme Isolation vieler junger Arbeiter vermutet, die ihr soziales Umfeld aufgeben mussten, um in Shenzen zu arbeiten.     Foxconn erhöhte jetzt die Löhne um bis zu 50 Prozent, will neue Fabriken näher zu den Wohnorten der Mitarbeiter bauen, und die chinesische Mitarbeiterzahl innerhalb eines Jahres von etwa 900.000 Beschäftigte auf etwa 1,3 Mio aufstocken.
 
Quelle: FTD, 19.08.2010
http://www.ftd.de/it-medien/it-telekommunikation/:250-krankheitsfaelle-foxconn-schliesst-indische-fabrik/50149134.html
http://www.ftd.de/it-medien/:i-pad-hersteller-foxconn-will-400-000-arbeiter-einstellen/50158394.html

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» Hongkong «

Asiatische Banker werden reicher
 
    Gehälter von Bankern in Hongkong, China und Singapur steigen weltweit am meisten. Die Kostenexplosion wird zudem von erfolgsunabhängigen Garantieboni verursacht, die besonders in Asien eine beliebte Lohnzugabe sind. Sie wuchsen um 115 Prozent zum Vorjahr und können bei einer Vertragszeit von zwei Jahren zweistellige Millionenbeträge ausmachen. Topbanker verdienen 40 Prozent mehr als 2009, Banker in niedrigeren Stellungen erhalten bereits zwischen 600.000 und 900.000 Dollar. Ein Managing Director einer Region oder ganz Asiens bekommt um die vier Mio Dollar. Asiatische Investmentbanker verdienen nur noch 15 - 35% weniger als westliche Kollegen. Die Zeit westlicher "Gastarbeiter" mit extremen Geldbezügen sind vorbei, sie brauchten außerdem bis zu zehn Jahre, um die asiatischen Märkte zu verstehen. Gefragt sind mittlerweile asiatische Talente mit globaler und regionaler Erfahrung, die die Sprache beherrschen und die lokalen Märkte begreifen.     Asiatische Großbanken haben trotz Krise im Gegensatz zum Westen hohe Wachstumsraten. Die Zahl der Millionäre steigt stetig, und sie sind bereits reicher als ihre europäischen "Kollegen".     Fusionsberatung steht hoch im Kurs, im ersten Quartal wurde durch Firmenübernahmen für rund 106 Mrd. $ ein Plus von 80 Prozent verzeichnet, während weltweit das Volumen nur um sechs Prozent zunahm.     Die Deutsche Bank wird ihre asiatischen Mitarbeiter zukünftig aus Kostengründen nicht mehr teuer abwerben, sondern direkt von der Uni rekrutieren. Sie will 2011 mit 4 Mrd. Euro in der Region doppelt soviel Ertrag erwirtschaften wie 2009.     Westliche Gehaltsexzesse werden trotzdem nicht erwartet. Der aktuelle Kostenanstieg wird darauf zurückgeführt, dass die Banken nach der Entlassungswelle von 2008 und 2009 wieder einstellen.
 
Quelle: FTD, 10.08.2010, von Ina Linden
http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:gehoerige-zuwaechse-gehaltsexplosion-bei-bankern-in-fernost/50155037.html

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» Japan «

Offizielle Entschuldigung für Zwangsannexion
 
    Japans Ministerpräsident Kan entschuldigte sich bei Südkorea offiziell für die 35-jährige Kolonialherrschaft seines Landes von 1910 bis 1945, als viele Koreaner als Zwangsarbeiter oder Prostituierte nach Japan verschleppt wurden.     Nordkorea, zu dem Japan keine diplomatischen Beziehungen unterhält, erwähnte Kan nicht. Gleichzeitig stellte er die von Südkorea geforderte Rückgabe von Kulturgütern in Aussicht.     Seoul nahm die aufrichtige Entschuldigung positiv auf. Es besteht Hoffnung, dass sich die Beziehungen beider Länder zu einer zukunftsorientierten Partnerschaft entwickeln.
 
Quelle: FTD, 10.08.2010
http://www.ftd.de/politik/international/:japan-entschuldigt-sich-fuer-kolonialherrschaft/50154961.html

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Einnahmen- statt Sparproblem
 
    Japan ist mit rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weltweit am höchsten verschuldet, obwohl die Sparwut der Bevölkerung etwa 12.410 Mrd. Euro angehäuft hat und nur noch vom Geiz der Chinesen übertroffen wird.     Familien operieren mit Wertpapieranlagen und Taschengeld-Zuteilungen und planen Einkäufe nach Sonderangeboten. Toyota senkt die Produktionskosten seit Jahren um 2 bis 3 Mrd. Euro, Mitarbeiter benutzen zum Stromsparen bevorzugt Treppen statt Fahrstuhl. Suzuki erzielte sogar in der Krise noch Gewinne, der betagte Firmenpatriarch genehmigt sogar den Kauf von Textmarkern nur persönlich. Als Nebeneffekt bescheren drastische Einsparungen bei Lohnkosten der reichen kommunistischen Partei jährlich etwa 10.000 neue Mitglieder.     Der Staat spart dagegen erst seit kurzem, öffentliche Bauprojekte und Beamtenbezüge werden gestrichen bzw. gekürzt. Aber erst bis 2015 will die Regierung das Defizit des BIPs halbieren.     Das Problem ist nicht der Sparwille, sondern die von 1990 bis 2009 um 37 Prozent gefallenen Steuereinnahmen. Die fünfprozentige Umsatzsteuer besteht unverändert seit 1998. Auch die neue, demokratische Regierung will sich durch drohenden Preisanstieg bei Steuererhöhungen nicht unbeliebt machen und daher die Umsatzsteuer erst 2013 anheben.     Vorläufig sollen Haushalt und Neuverschuldung auf dem aktuellen Stand eingefroren werden, die Maßnahmen sind allerdings im Hinblick auf das seit Jahren verschleppte Einnahmeproblem zu zaghaft. Die sparbewusste Bevölkerung würde einen drastischeren Kurs bestimmt tolerieren.
 
Quelle: FTD, 05.06.2010, von Martin Kölling und Martin Kaelble
http://www.ftd.de/politik/international/:alltag-in-der-schuldenkrise-japan-im-land-der-sparfuechse/50155531.html

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Geisterclub der Methusalems
 
    Japans Ruf als Land der Hochbetagten (etwa 40.399 Mitgliedern sind im Club der Hundertjährigen registriert) kommt ins Wanken, da nur ein Bruchteil der Senioren auffindbar ist. Viele sind spurlos verschwunden - ein Großteil davon Määnner, obwohl die eine Minderheit in dieser Altersgruppe bilden.     In vielen Fällen ist Rentenbetrug im Spiel, und die Betroffenen sind seit Jahren verschieden. Genauso gravierend ist eine negative Begleiterscheinung der japanischen Gesellschaft: die Scham. Aufgrund von Schulden und anderen Probleme flüchten viele Familienvorstände in die Obdachlosigkeit, die Familien melden das Verschwinden nicht und suchen auch nicht nach ihnen.     Das Verwaltungschaos durch uneinheitliche Steuer- und Sozialversicherungsnummer und ein fehlendes Personalausweissystem bildet ein Hauptproblem bei der Suche nach den fehlenden Senioren. Besonders krass trat dies zutage, als 2008 das Gesundheitsministerium viele Millionen Rentenzahlungen nicht zuordnen konnnte.     Ein für 2002 geplantes Personenmelderegister scheiterte am Boykott der Bevölkerung - einen Anmeldungszwang vermied die Regierung bisher.     Die geplante Ehrung der ältesten Einwohnerin Tokios mit 113 Jahren fiel ins Wasser, alle Spuren verlaufen im Nichts.
 
Quelle: Süddeutsche, 09.08.2010,
http://www.sueddeutsche.de/panorama/2.220/japan-tokio-sucht-die-super-rentnerin-1.983416

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» Indien «

Tata Motors Aktien auf Höhenflug
 
    Tata Motors, Indiens größter Autokonzern, der außer Lastwagen und Bussen auch das Billigauto Nano produziert, übernahm vor zwei Jahren von Ford für 2,5 Mrd. Dollar Jaguar und Land Rover, was beinahe zu einem riesigen Verlustgeschäft wurde.     Der neuerdings rapide wachsende Bedarf an Luxusautos in Indien und vor allem in China ließ jetzt die Tata-Aktien im ersten Quartal auf den höchsten Stand seit 20 Jahren klettern - der Nettogewinn des Mischkonzerns betrug rund 326 Mio Euro. Firmenchef Tata will sich jetzt mit einem erfahrenen Manager, dem ehemaligem BMW-Vorstand und Europachef von General Motors, Carl-Peter Foster, den Höhenflug des Konzerns endgültig sichern.     Die Produktion in Indien selbst und mit Partnern in China sind in Planung.
 
Quelle: FTD, 10.08.2010
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/autoindustrie/:indiens-branchenprimus-tatas-sorgenkinder-jaguar-und-rover-wandeln-sich-zu-perlen/50155202.html

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Umstrittene Forderung nach Datenzugang
 
    Indien und die VAE fordern von dem kanadischen Blackberry- Hersteller RIM (Research in Motion) die Aufstellung eines Datenservers in ihrem Land, um besonders E-Mails von Geschäftskunden überwachen zu können. Hauptargument dabei ist die Gefahr der Kommunikation von Terroristen und Kriminellen.     Bisher werden die Nachrichten auf dem Server der jeweiligen Firmen kodiert und über RIMs eigene zentrale Rechner in Kanada oder London an die Endgeräte geschickt. Nur diese können die Inhalte entschlüsseln, RIM hat keinen Datenzugang. Der Dienst ist auch bei vielen arabischen Jugendlichen attraktiv, die so problemlos mit dem anderen Geschlecht kommunizieren können.     RIM will seine Sicherheitspolitik beibehalten, obwohl die asiatischen und vor allem die arabischen Länder mit über einer Million Nutzern ein riesiger Wachstumsmarkt sind. Indien, Libanon sowie Saudi-Arabien wollen den Dienst spätestens ab Oktober blockieren. Auch Indonesien denkt an eine Sperrung. Die Türkei will das Ausmaß der Gefahr für die nationale Sicherheit prüfen lassen.     Die USA sehen den Schritt als Eingriff in die Kommunikationsfreiheit, andererseits sei bei der direkten Datenübermittlung ins Ausland die Kommunikation von Terroristen nicht überwachbar. Die Bundesregierung hat sich wegen der wachsenden Zahl von Attacken auf elektronische Informations- und Kommunikationsnetze gegen die Nutzung der abhörsicheren Blackberrys und iPhones ausgesprochen.
 
Quelle: FTD, 10.08.2010 von Nora Schlüter
www.ftd.de/it-medien/it-telekommunikation/:streit-um-verschluesselung-blackberry-bietet-indien-paroli/50152755.html http://www.ftd.de/it-medien/it-telekommunikation/:bedenken-wegen-nutzerrechte-blackberry-streit-wird-zum-politikum/50153473.html http://www.ftd.de/politik/international/:smartphone-nutzung-im-koenigreich-saudische-blackberry-blockade-schrumpft-zur-pause/50153928.html

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» Arabische Länder «

Emirate planen die Zukunft "nach dem Öl"
 
    Das 1898 gegründete Unternehmen Merkel, Hersteller von Jagdwaffen in Suhl, Thüringen, wurde 2007 von Caracal International, einem Waffenproduzenten aus Abu Dhabi gekauft, hinter dem wiederum die Tawazun Holding steckt. Über die tätigen die VAE weltweit strategische Investitionen, um die Emirate auf die Zeit nach dem Öl vorzubereiten. Caracal Geschäftsführer und Visionär Hamad Al Neyadi hatte 2007 die Idee, Ingenieurstudenten der UAE University für zehn Monate zu Ausbildungszwecken nach Suhl zu schicken, wo sie vor allem die von Arabern geschätzte deutsche Arbeitsweise kennenlernen sollen. Das Programm kombiniert harte Ausbildung, Training und On-the-Job-Erfahrung mit Schwerpunkt auf zentralen Fertigkeiten im Metallhandwerk. Die Ausbildung wird später den Anforderungen der aufstrebenden Industrie der VAE dienen. Gleichzeitig sollen die Studenten deutsche Kultur, Lebensweise und Tugenden kennenlernen.     Die Wahl fiel auf die Simson Private Akademie, Ausbildungszentrum für Schweiß- und Metallhandwerk im kleinen Suhl, wo noch viel Know-How und hoch spezialisierte Unternehmen sitzen. Frau Bauroth, die Akademiechefin, empfing 2008 die erste 20-köpfige Studentengruppe, eine zweite folgte, das Programm ist weiterhin erfolgreich.     Bauroth fand für die ersten zwei Monate 20 Gastfamilien zur Gewöhnung an die deutsche Lebensart. Alle Beteilgten flogen vor Programmbeginn nach Abu Dhabi, um einen Eindruck des immens reichen Emirats ihrer Gäste zu erhalten.     Viele Gastfamilien sprechen wenig Englisch und die deutschen Crash-Kurse für die Studenten reichen oft nicht aus - trotzdem kommen die Familien mit den Gästen gut zurecht. Später wohnen die Studenten dann in einem Hotel. Der tägliche Stundenplan beinhaltet Aufstehen um etwa 4.00 früh (zu Gebetszwecken), Ausbildung von 7.30 bis 15.00 und abends zusätzlicher Unterricht. Freizeit ist knapp. Die Elternhäuser der Studenten sind weitaus wohlhabender als die Gastfamilien. Das Erledigen kleiner täglicher Pflichten ist eine neue Erfahrung, die dazu beiträgt, Eigen- und Selbstständigkeit zu fördern.     Themen wie Geld, Politik und Religion werden auch im Unterricht diplomatisch übergangen. Mitarbeiter, Lehrer und Studenten nehmen mittlerweile viel Rücksicht aufeinander. Beispiele sind das automatische Weglassen von Redensarten wie "Oh Gott", oder Übungsfragen zu Mutter und Schwester. Unterricht wird für Gebete unterbrochen, die Gruppenbetreuer aus Abu Dhabi organisieren Ausflüge und erledigen wichtige Einkäufe.     Wetter, Essen, Pünktlichkeit, Teamarbeit, Ordnung und äußerste Sorgfalt bei der Arbeit sind natürlich gewöhnungsbedürftig. Die Studenten selbst äußern sich sehr positiv, eine Rolle spielt dabei auch der wichtige Brauch, immer höflich zu sein und als Gast nie Negatives über Gastland- und familie zu äußern.     Die Lehrer sind inzwischen mehr beeindruckt von Motivation und Zuverlässigkeit der Gaststudenten als von den deutschen Azubis.     Ansonsten sind die Gaststudenten normale Teenager mit den üblichen Problemen und Interessen. Nach den zehn Monaten sind sie meist aufrichtig beeindruckt von dem Gelernten, der deutschen Arbeitsart und Lebensweise, die nicht darin besteht, ständig mit Geld um sich zu werfen. Auch offen zu sagen, was man denkt, finden viele positiv. Pünktlichkeit bewerten sie als eine erstrebenswerte Tugend für ihr Heimatland, die in der Zukunft zum Erfolg führen wird.     Deutschland könnte in kommenden Jahren enorm von diesem Projekt profitieren, wenn ehemalige Teilnehmer später in Unternehmen sitzen, über Geschäfte entscheiden und statt den USA lieber Deutschland den Vorzug geben, dessen Lebensart und Industriekultur sie persönlich kennengelernt haben.
 
Quelle: Süddeutsche, 18.08.2010, von Horst von Buttlar
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:agenda-das-deutsche-ausbildungscamp-fuer-wuestensoehne/50157553.html

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