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HJ-Newsletters
Augsburg, November 2011
Inhaltsverzeichnis:
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Demokratische Ansätze bei Lokalwahlen
Letzten Mai haben in China die Wahlen für die Vertreter der lokalen Volkskongresse begonnen. Alle fünf Jahre sorgt ein veraltetes, enorm bürokratisches Wahlsystem dafür, dass es fast ein Jahr dauert, bis alle 31 Provinzen mit etwa 900 Mio Bürgern abgestimmt haben. Allein in Peking müssen 24.000 Wahlämter für neun Mio Wahlberechtigte eingerichtet werden, sogar für den Staatschef und seine Funktionäre wird eine eigene Urne aufgestellt. Die vorherrschende Farbe bei chinesischen Wahlen ist rot, lange Wählerschlangen bestehen auch durchaus mal aus kompletten Betriebs-Belegschaften, um rein optisch die Wahlmotivation der Bürger anzukurbeln. Man macht in China einen Kreis neben den gewählten Namen, bei Ablehnung kreuzt man ihn an. Zwei Millionen Lokaldeputierte werden für 30.000 Gemeinde- und 2000 Bezirksparlamente gewählt, alle Kandidaten sind von der Partei, Verbänden, Arbeitsstätten und Universitäten nominiert und von Wahlkomitees bestätigt. Seit der Änderung des Wahlgesetzes vor zehn Jahren muss eine Kandidatur nur noch von mindestens zehn wahlberechtigten Bürgern unterstützt werden. Seitdem entwickelte sich langsam eine neue Bewegung, die bewirkte, dass jetzt zum ersten Mal auch unabhängige Kandidaten antreten. Es sind Aktivisten, Akademiker, Anwälte oder Bauernaktivisten, echte Volksvertreter unterstützt von Internet und Mikroblogs.
Eine Umsetzung ist noch schwierig, bisher konnten sich in sieben Provinzen nur 100 unabhängige Kandidaten aufstellen lassen , von denen nur zwei den Einzug ins Lokalparlament schafften, wohl hauptsächlich deswegen, weil sie gegen illegale Landenteignung kämpfen.
Viele Kandiadten scheitern auch an behördlichen Schikanen, ihr Eintrag in die Wahllisten wird boykottiert oder behindert. Dennoch ist ein erster Schimmer von Demokratie wahrnehmbar.
Das 2010 reformierte Wahlgesetz fordert von allen Kandidaten, sich in Wahlkampfveranstaltungen vozustellen und Fragen zu beantworten. Ein Wahllokal muss neuerdings auch geheime Stimmabgaben ermöglichen. Noch ist die Realität ganz anders, und viele machen noch einen großen Bogen um die "geheime Wahlkabine", die zur Abschreckung schon mal nicht rot, sondern weiß ist. Trotzdem, ein schüchterner Anfang ist gemacht, so sehen es auch die "neuen unabhängigen" Kandidaten.
Quelle: Welt, 11.11.2011 von Johnny Erling
http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13710913/In-China-keimt-der-Samen-der-Demokratie.html
http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article13710786/Chinesen-duerfen-auch-waehlen-ein-bisschen.html
Maotai - vom Teufelsgebräu zur Weltmarke
Im topographischen Spezialklima des Bergdorfes Maotei, heute 53.000 Einwohner, in der südwestchinesischen Provinz Guizhou gelegen, wird der 53%ige Staatsschnaps Chinas, Maotei hergestellt. Die Zutaten sind lediglich Hirse und Weizen bei mindestens fünf Jahren Lagerung, damit Mikroorganismen ihn zu dem wandeln, was Westler als "weißen Blitz" beschrieben, oder das Gefühl von "Rasierklingen im Hals".
Der Schnaps symbolisiere den Geist Chinas, wird stolz gesagt. Nach Maotei, wohin man früher einen mühsamen, halben Tag brauchte, führt heute eine neue Autobahn, von der aus man das größte Objekt kommerzieller Werbung bewundern kann, welches auch ins Guinessbuch der Rekorde einging: eine 31 m hohe Flasche in Pagodenform, ein Schnapsturm.
Bereits 1915 wurde der Hirseschnaps auf der Weltausstellung Panama-Pacific als regionale Spezialität prämiert. 1949 wurde er zur Gründung der Volksrepublik China ausgeschenkt. Mao flößte mit Maotai seinen Truppen im Bürgerkrieg gegen Tschiang neue Energien ein und ließ Wunden damit desinfizieren. Mao und Tschiang stießen während ihres kurzfristigen Burgfriedens mit Maotai auf den Sieg über den Erzfeind Japan an. Vor dem Weinmuseum in Maotai stehen die Skulpturen der beiden mit erhobenem Glas.
Mao Tse-tung beschäftigte sich mit dem Maotai 1958, als er China zum Stahlriesen machen wollte. Russland hatte für eine Tonne Maotai 80 Tonnen Rohstahl geboten, also forderte Mao von den Brennereien 10.000 Tonnen Schnaps im Jahr. Aber damals brachten die es gerade mal auf 283 Tonnen. Also wurden trotz der damalig herrschenden Hungersnot die Notrationen gekürzt und die Bauern gezwungen, immer mehr Hirse und Getreide heranzuschaffen. Zehntausende Menschen verhungerten, aber bis 1960 wurde die Schnapsproduktion mit 912 Tonnen verdreifacht. Heute, vierzig Jahre später, werden endlich mit moderner Großproduktion die von Mao erträumten 10.000 Tonnen jährlich produziert.
Der gelernte Gärmeister und heute 73jährige Chef des Alkoholkonzerns sollte 1964 im Auftrag von Zhou Enlai die primitive Schnapsbrennerei Maoteis modernisieren. Die Belegschaft von damals knapp 300 ärmlichen Arbeitern ist auf 12.000 Angestellte gewachsen, es entstanden Großfabriken mit Fließbändern der deutschen Firma Krones. Hunderte Millionen Euro sollen in die weitere Modernisierung investiert werden. Die Eröffnung von Filialen im Ausland sollen aus dem rein chinesischen Teufelsschnaps eine globale Marke machen.
Ehrengästen wird bei staatlichen Banketten seit jeher Maotai kredenzt. Nixon goss einst eine mitgebrachte Flasche in eine Schüssel, zündete den Schnaps an, der Behälter zersprang und der brennende Schnaps konnte nur mühsam gelöscht werden. Das chinesische Gebräu setzte fast das Weiße Haus in Brand.
Man trink Maotai, indem man den Stiel des winzigen Glases zwischen Daumen und Zeigefinger hält. Der Schnaps muss glasklar sein (nur bei hohem Alter etwas gelblich...), er sei süß, sauer und zugleich scharf mit einem duftigen Bouquet und einem würzigen Nachgeschmack, sagen chinesische Kenner, Aussagen, die Westler nur mühsam nachvollziehen können. Man bekäme auch kein Kopfweh davon auf Grund des streng eingehaltenen Reinheitsgebots. Zhou Enlai verbot schon 1956 den Bau von Fabriken in Umkreis von 100 km von Maotei, um das Anbaugebiet nicht zu verschmutzen.
2010 wurden 26.000 Tonnen Maotai hergestellt. Der Ausstoß soll bis 2020 verdoppelt werden und 100 Mio Halbliterflaschen umfassen.
Der Nachfolger des alten Maotai-Geschäftsführers will die Marke auf den Weltmarkt bringen, wo 50 Mio Auslandschinesen und Hunderttausende China-Restaurants nur auf das Gebräu warten. Über 100 fünfstöckige Lagerhäuser in Maotai sind mit 300 Liter-Amphoren gefüllt, manche Lagerbestände stammen noch aus der Gründerzeit.
Als 1988 der Staat die Preiskontrolle über den Schnaps aufgab, stiegen die Preise blitzartig, und heute kostet die Halbliterflasche etwa 180Euro. In China ist der Maotai wesentlich teurer als im Ausland. Es gibt auch 15 und 30 Jahre gelagerte Jahrgangsschnäpse oder sündhaft teure "80-jährige" mit kleinen Beimischungen des "Urschnapses". In Pekings Auktionshaus wurde auf der ersten Auktion 2010 für einen 1959 Jahrgang Euro110.000 geboten.
In China ist der Maotai mittlerweile Symbol für Luxus pur. Böse Zungen nennen ihn auch ein hochprozentiges Schmiermittel der herrschenden Klasse samt Beziehungswirtschaft und Korruption.
Der Chef des Unternehmens winkt ab. Nur durch den Export der Trinkkultur könne die Welt China besser verstehen lernen, sagt er. Maotai, der teuerste und edelste Schnaps Chinas sei ein Kunstwerk - ebenso wie französischer Cognac.
Quelle: Welt 13.11.2011 von Johnny Erling
http://www.welt.de/print/wams/politik/article13714286/Maotai-der-Schnaps-der-Revolution.html
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Einblicke in die Geschichte der chinesischen Medizin
23 Jahre Arbeit kostete den Berliner Medizinhistoriker Paul Unschuld die Übersetzung von 88.000 Schriftzeichen der ältesten chinesischen Textsammlung über Medizin ins Englische. Damit können jetzt alle Forscher die Ursprünge der griechischen und chinesischen Medizin, sowie die antike und heutige Version vergleichen.
Etwa 400 Jahre nach Griechenland, im 2. Jhr. vor Christus, änderte sich auch in China der damalige Glauben, dass Krankheiten von bösen Mächten geschickt wurden dahingehend, dass eher Naturgesetze dafür verantwortlich sind. Vorher herrschte der Glaube, man könne sich gegen Krankheit nur durch Unterstützung mächtiger Geister (z.B. Mond und Sonne) wappnen.
Trotzdem glaubt Großteil der Chinesen immer noch, dass Krankheiten eine Strafe der Ahnen für begangene Fehltaten sind. So versuchten viele, die angeblichen Dämonen der Sars-Epidemie mit Feuerkrachern und Essigdämpfen zu verscheuchen.
Die im Westen bekannte Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat zu Unrecht den Ruf, besonders sanft zu sein, meint Unschuld. Im Gegenteil wird der Körper als Staat dargestellt, bei dem Krankheit den Kriegszustand hervorruft. Eigenständige Organe fungieren wie Gouverneurspaläste, deren Herrscher über die Untergebenen verfügen, so z.B. die Niere über Knochen und Mark, wobei der oberste Herrscher immer der Körper ist.
Der Vergleich wird durch das China vor 2000 Jahren verständlich, als konkurrierende Machtgebiete unter einer Regierung vereint wurden. Es gab nur ein identisches Schriftzeichen für "regieren" und "heilen". Natürlich verstanden viele einfache Leute die politische Analogie nicht, sondern glaubten weiterhin an böse Geister.
TCM hat außerdem den Ruf besonders ganzheitlich zu sein, was laut Unschuld weniger der Fall ist als bei westlicher Medizin. TCM kennt weder Chirurgie noch Epidemiologie und ließ zudem, anders als seit 200 Jahren im Westen, soziale Faktoren völlig außer acht.
Chinesische Medizin gibt grundsätzlich dem Patienten an allem die Schuld, der seine Gefühle nicht kontrollieren kann, was zu Krankheit führt.
Das übersetzte Werk gibt nur wenig Therapie-Ratschläge, die Beiträge sind meist anonyme Einzelschriften von Wanderheilern, Zauberern, Apothekern oder ganz normalen Bürgern und beschäftigt sich teilweise sogar mit philosophischen Fragen zum Universum.
Dann gab es bis hin zum 20. Jahrhundert noch das eigenartige Phänomen der wandernden Opernsänger, die mittels Libretti Arzneien als Personen darstellten, die sich teilweise sehr anstößig verhielten, sagt Unschuld.
In seiner Lieblingsstelle des übersetzten Werks geht es darum, dass Wandel Krankheit bedingt. Sie lautet: "Sich entsprechend den Gesetzen zu verhalten, das ist Gehorsam. Wer sich gegen die Gesetze stellt, der begeht Opposition. Opposition bedingt Wandel. Wandel bedingt Krankheit."
Quelle: Süddeutsche 27.10.2011 von Karin Blawat
http://www.sueddeutsche.de/wissen/chinesische-heilkunde-die-leber-ueberfaellt-die-lunge-1.1174566
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Immer mehr Top-Managerinnen aus Asien
Jedes Jahr ernennt die Financial Times die 50 besten Spitzenmanagerinnen und Geschäftsfrauen weltweit. Sie müssen seit mindestens zwölf Monaten in ihrer Top-Position tätig sein. Auswahlkriterien sind außerdem Kompetenz unter Berücksichtigung der vorangegangenen Karriere, Unternehmensgröße und -erfolg, Komplexität und Globalität sowie die Wettbewerbssituation der jeweiligen Branche. Nachdem bisher die Liste meist von anglo-amerikanischen Frauen beherrscht wurde, schieben sich heuer immer mehr Damen aus dem asiatischen Raum in den Vordergrund. 18 der 50 kommen aus Indien, China, Japan. Auch Saudi-Arabien und die Türkei sind vertreten und zwei deutsche Damen.
Herausragende Eigenschaften der Top-Manager-innen sind Handlungsstärke, Unerschrockenheit und Zielstrebigkeit, Kompetenz, Selbstbewusstsein und Einfluss.
Das Motto der indischen Pepsico-Managerin fasst eine wichtige Grundeinstellung der Wirtschaftsbesten zusammen: "Denke niemals, dass du bereits angekommen bist. Erinnere dich immer daran, dass es viel mehr gibt, was du nicht weißt, als das was du tust."
Quelle: FTD 17.11.2011 von Sabine Meinert
http://www.ftd.de/karriere-management/karriere/:the-top-50-women-die-erfolgreichsten-geschaeftsfrauen/60130112.html
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Peking und die Angst vor Kontrollverlust
Peking will mit einer Kulturoffensive die chinesische Kultur im Ausland so vermarkten, dass sie Chinas Wachstum antreibt und die Nation bis 2020 weltweit zur sozialistischen Kulturgroßmacht aufsteigen lässt. Da die KP schon seit jeher einen schlechten Ruf hat, was Chinas Kulturgeschehen betrifft, ist die geplante Kulturerneuerung kein Grund zur Hoffnung auf politische Reformen.
Peking war nie an den Gründen interessiert, warum sich chinesische Kultur so schlecht vermarkten lässt. Auch im neuen Runderneuerungsprogramm beharrt die KP weiterhin auf den Grundwerten von Sozialismus und Patriotismus als den Grundpfeilern jeglicher Kultur. Welche Grundwerte das genau sind, darüber sind sich die Beteiligten nach monatelanger Beratung immer noch nicht einig, aber sie stimmen überein, dass wichtige Träger der Kulturwirtschaft in staatlicher Hand bleiben müssen, um "kulturelle Souveränität" zu wahren.
Peking zählt nun bei der weltweiten Kunstvermarktung vor allem auf die 45 Mio Auslandschinesen und fördert mit riesigen Summen den Aufbau von 360 Konfuziusinstituten in 150 Ländern, die jedoch prinzipiell die altbekannte Untertanenmentalität glorifizieren. Ob sich Kultureinfluss auf diese Art kaufen lässt, ist fraglich. Die KP bevormundet weiterhin alle Ansätze von Indvidualität, Kreativität oder kultureller Freiheit, ein Zeichen tiefssitzender Ängste vor Kontrollverlust in einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf den großen Führungswechsel Ende 2012. Echte Kulturerneuerung wird wie überall nur unter Förderung von Kreativität und künstlerischer Freiheit stattfinden.
Quelle: Welt, 06.11.2011 von Johnny Erling
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13701583/Pekings-Horror-vor-dem-Kontrollverlust.html
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Wer schmiert am meisten?
Das Ergebnis der neuesten Studie der Antikorruptions-Organisation Transparency International (TI) besagt, dass China und Russland am häufigsten Schmiergelder bei Gechäften im Ausland zahlen. Auch Mexiko und Indonesien kamen bei der Studie schlecht weg. Befragt wurden über 3000 Manager aus 30 Ländern. Am wenigsten korrupt sind die Niederlande und die Schweiz, darauf folgt Belgien vor Deutschland.
Seit einer ähnlichen Studie 2008 hat Indien die meisten Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung gemacht. Bei einm Vergleich der verschiedenen Geschäftsbranchen stellte sich heraus, dass in der Landwirtschaft und Leichtindustrie am wenigsten Schmiergelder gezahlt werden, auch der Banksektor ist noch relativ sauber. Das höchste Maß an Korruption herrscht bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen und der Bauindustrie, eine schlechte Nachricht für die Bürger, wenndabei dann z. B. Sicherheitsregeln umgangen werden.
Es wird der starke Zusammenhang von Bestechung im Ausland und dem Ausmaß von Korruption im Inland hervorgehoben. Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer wurden aufgefordert, umgehend ihre Bemühungen zur Korruptionsbekämpfung zu verstärken, damit die Weltwirtschaft fairer würde.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 02.11.2011
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruptions-ranking-die-geschaefte-laufen-wie-geschmiert-1.1178459
FTD, 02.11.2011
http://www.ftd.de/karriere-management/management/:wirtschaftskriminalitaet-firmen-aus-russland-und-china-schmieren-am-haeufigsten/60123788.html
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Macht neuer Wohlstand gleichgültig?
Die zweijährige Yue Yue, die von zwei Fahrzeugen überfahren und blutend von 18 Passanten unbeachtet auf der Straße liegengelassen wurde, löste chinaweit eine riesige Debatte, spontane Sympathiekundgebungen und Demonstrationen aus. Es ist von Materialismus und spirituellem Vakuum die Rede, von Kaltherzigkeit und Indifferenz in einer wirtschaftlich boomenden Gesellschaft, die nichts als Wohlstand im Kopf habe und der jegliche Menschlichkeit abhanden gekommen sei.
Die Verkehrsüberwachungskamera, die den Vorfall filmte, bewies, dass erst der 19. Passant, eine alte Müllsammlerin, das Mädchen an den Straßenrand zog und nach der Mutter suchte, die es ganz kurz unbeaufsichtigt gelassen hatte. Yue Yue ist mittlerweile an ihren Verletzungen gestorben. Peking widerspricht dem Vorwurf einer neuen Herzlosigkeit, und betont recht zusammenhanglos die Befreiung von Millionen Wanderarbeitern aus der Armut.
Einer der vielen Blogger kommentiert den furchtbaren Zwischenfall damit, dass das Verhalten gegenüber Fremden ein einfaches Mittel sei, um den Grad der Zivilisiertheit einer Gesellschaft zu messen.
Quelle: Süddeutsche Zeitung 03.11.2011
http://www.sueddeutsche.de/service/die-besten-blogs-zu-yue-yues-tod-1.1180004
http://www.sueddeutsche.de/panorama/unfalltod-der-kleinen-yue-yue-in-china-protestieren-diskutieren-schoenreden-1.1172201
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Yakuza-Connections bei Olympus
Der japanische Konzern Olympus, Hersteller von Kameras und Medizintechnik, mit weltweit 40.000 Mitarbeitern, ist in einen der größten Wirtschaftsskandale überhaupt verwickelt. Die Olympus Aktie, die knapp 8 Mrd. Euro umsetzt, verlor seit Juni 70%. Der britische Konzernchef Michael Woodford wollte auf einer Sitzung die von ihm aufgedeckten Bilanzfälschungen unter dem früheren Firmenboss thematisieren, als er gerade mal zwei Wochen im Amt war.
Er wurde prompt gefeuert und zum Flughafen geschickt. Woodford ging an die Öffentlichkeit. Er hatte zu teuer erscheinende Übernahmen entdeckt, in denen Verluste aus den 90er Jahren versteckt wurden. Seitdem wurden systematisch Bilanzfälschungen betrieben, indem Verluste durch Wertpapierinvestitionen verschleiert wurden. 5 Mrd. Dollar verschwanden aus den Büchern des Konzerns. Über eine Mrd. Euro floss in dunkle Kanäle, eine Verbindung zu Japans organisiertem Verbrechen, der Yakuza-Connection, wird bei den enormen Beraterhonoraren ebenfalls vermutet.
Olympus unter dem flott wieder eingesetzten früheren Firmenboss warf Woodford vor, er sei japanfeindlich und wolle dem Unternehmen schaden Dann aber übte der größte Aktionär Nippon Life Druck aus und setzte eine unabhängige Prüfungskommission ein, die die Bilanzfälschungen bestätigte. Verluste wurden durch Firmenkäufe vertuscht und abgeschrieben, um ein dreissigfaches überhöhte Beraterhonorare bezahlt an einen Fonds auf den Kayman Inseln mit heute unauffindbaren Beratern. Da die angebliche Beraterfirma ihren Sitz in den USA hatte, ermittelt nun auch noch das FBI.
Auch bei Zukäufen von drei kleinen, japanischen Spezialanbietern medizinischer Ausrüstung wurden zwischen 2006 und 2008 Verluste versteckt. Olympus damalige Buchprüfer stellten Unregelmäßigkeiten fest, daraufhin wurde deren Vertrag nicht mehr verlängert.
Der Skandal blieb deshalb solange unentdeckt, weil es die japanische Firmenkultur verbietet, Firmenbosse zu kritisieren und Missstände anzuprangern.
Trotz Abdankung verschiedener Verantwortlicher konnte die beispiellose Kapitalvernichtung die Aktionäre nicht besänftigen. Japans Ministerpräsident fordert eine rückhaltlose Aufklärung, denn Japans Wirtschaft, seit dem Erdbeben ohnehin in Schwierigkeiten, könnte bei Investoren in Verruf geraten. Klagen wegen Bilanzbetrugs und ein Ausschluss von der Börse in Tokio drohen.
Quelle: FTD, 09.11.2011
http://www.ftd.de/it-medien/computer-technik/:bilanztricks-olympus-japans-neues-desaster/60126644.html
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Regierung wiegelt Strahlenrisiko ab
Nachdem einer von Japans beliebtesten TV-Moderatoren Lebensmittel aus Fukushima aß, wurde nun bei ihm Blutkrebs diagnostiziert. Er wollte der Bevölkerung zeigen, dass die Nahrungsmittel risikofrei seien, und man dem betroffenen Norden helfen könne, indem man die dort angebauten Produkte kauft.
Die offiziellen Sicherheitserklärungen der Regierung dürften nicht mehr ausreichen, um die Bevölkerung zu beruhigen. Zum erstenmal wurde jetzt eine Reislieferung aus der Umgebung des AKWs gestoppt, weil die Strahlenwerte zu hoch waren. Politiker und Journalisten halten dennoch an ihren Behauptungen fest, dass bereits in den Handel gelangter Reis aus der Gegend risikofrei sei und bezeichnen Berichte über radioaktiv verseuchte Produkte als Gerüchte.
Quelle: Welt 18.11.2011
http://www.sueddeutsche.de/panorama/nach-verzehr-von-lebensmitteln-aus-fukushima-japanischer-tv-moderator-an-leukaemie-erkrankt-1.1193054
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Partnerschaft VW - Suzuki in der Krise
Vor etwa zwei Jahren ging der japanische Autobauer Suzuki eine Partnerschaft mit VW ein, um Einblick in die technische Entwicklung zu gewinnen. VW ist mit knapp 20% an Suzuki, Suzuki mit 1,5% an VW beteiligt. Suzuki will die Partnerschaft beenden, die Anteile zurückkaufen und wirft VW Vertragsverletzungen vor, was VW zurückweist. Die Partnerschaft hätte Suzuki nicht die gewünschten Vorteile gebracht und das Unternehmen werde außerdem in den VW-Büchern als assoziiertes Unternehmen geführt, obwohl es auf Unabhängigkeit besteht. VW kann die Entscheidung Suzukis nicht nachvollziehen, lehnt eine Beendigung der Partnerschaft ab und wirft dem Unternehmen im Gegenzug ebenfalls Vertragsverletzung vor. Suzuki hatte VW übergangen und bei Fiat Dieselmotoren bestellt.
Wenn VW nicht nachgibt, will Suzuki zum Schiedsgerichtshof der internationalen Handelskammer gehen.
Quelle: FTD, 18.11.2011
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Drohender Engpass bei Festplatten
Die Überflutungen in Thailand, zweitgrößter Festplattenhersteller nach China, mit Standorten der Werke von Toshiba und Western Digital, sorgen für Produktionsstillstand und weltweite Lieferengpässe. Die Auslieferung von Festplatten könnte um 30% sinken. Bei großen Unternehmen wie Apple, Google und Amazon, die für ihre Dienste viele Millionen Festplatten brauchen, könnte das Cloud Computing ins Stocken geraten, bei dem Nutzer Daten auf externen Festplatten speichern.
Auch viele Zulieferer mussten ihre Werke schließen, wodurch andere Hersteller betroffen sind. Diese werden die noch verfügbaren Festplatten jetzt in teure Computer einbauen, was Auswirkungen auf Angebot und Preise der Billig-Notebooks haben wird. Preise für Festplatten zum Einbau in PCs stiegen bereits um 300- 400%, viele Händler nehmen keine Neubestellungen mehr an, sondern liefern nur noch Lagerbestände aus, die noch etwa 3 - 8 Wochen reichen dürften. Festplattenpreise werden für Hersteller um etwa 10% steigen, Laptops werden teurer werden und günstige Notebooks seltener.
Die Vorhersage eines weiteren Wasseranstiegs könnte dazu führen, dass sich die Produktion erst im 3. Quartal 2012 wieder normalisiert. Da andere Produktionsstätten wie z.B. in China bereits ausgelastet sind, ist es unmöglich auszuweichen.
Auch Branchenriesen wie Saturn und Media, sowie die Hersteller Acer und Lenovo rechnen mit Engpässen ab dem neuen Jahr.
Modelle mit Flashspeicher dagegen werden die Preise halten, da deren Produktionsstätten nicht vom Hochwasser betroffen sind, was für einen Durchbruch der bisher zu teuren Speicher führen könnte.
Quelle: Welt, 11.11.2011 von Thomas Jüngling
http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article13710933/Flut-in-Thailand-macht-Laptops-teurer.html
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Krankenversichert nach Genossenschaftsprinzip
Die indische Nichtregierungsorganisation Micro Insurance Academy (MIA) hat das neue Projekt Niramaya gegründet, eine Mikrokrankenversicherung in einem Land, wo Krankenversicherung noch heute so gut wie unbekannt ist. Das Projekt arbeitet nach den genossenschaftlichen Prinzipien Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstentscheidung, und eignet sich daher besonders für Entwicklungszusammen-arbeit, wo Selbsthilfeorganisationen nach dem Subsidiaritätsprinzip wirken. Die Interessierten bezahlen alle in einen gemeinsamen Topf ein, woraus dann im Krankheitsfall Leistungen erstattet werden. Wer wieviel bekommt, bestimmt dann ein Ältestenrat.
MIA betreut Projekte von der Konzeption bis zur Umsetzung. Genossenschaften sollen letztendlich von eigenen Verbänden im Land gefördert und geprüft werden, die z.B. Marketing, Beratung und Training übernehmen. Ein verbreitetes Problem bei Genossenschaften besteht oft im Wissensdefizit im kaufmännischen oder organisatorischen Bereich. Aber da werden dann externe Berater eingesetzt.
Bisher sind vor allem Agrargenossenschaften verbreitet, wo Kleinbauern nur einen kleinen Überschuss ihres Produkts selbst behalten, und die Genossenschaft die gesammelten Überschüsse aller Bauern verkauft. Oft arbeiten diese dann mit Fair-Trade-Organisationen zusammen. Ein anderes Beispiel ist Mikrofinanz, wo sich Mitglieder zusammenschliessen und in eine gemeinsame Kreditgenossenschaft ein zahlen, die dann das Kapital umlegt und an Mitglieder verleiht.
Das Krankenversicherungsprojekt Niramaya will bis Ende 2012 mehr als 400.000 Menschen versichern. MIA übernimmt die Aufgabe eines Genossenschaftsverbands. Interesse und Teilnahme ist anfangs zögerlich, und das Prinzip muss den einfachen Landbewohnern eher spielerisch beigebracht werden. Niramaya wird noch von Mitteln aus Wohltätigkeitsorganisatonen wie dem katholischen Hilfswerk unterstützt. Es ist das bisher komplizierteste Entwicklungs-Mikroprojekt, aber wenn es greift, könnte es die ganze Nation grundlegend verändern.
Quelle: FTD, 15.11.2011
http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:indisches-projekt-mit-mikroversicherungen-gegen-armut/60129556.html
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